Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 1-2 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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25 schreiben durch einen Courier übersandt hatte, von denen das eine an sämmtliche Militärbehörden im Sudan, das andere an Se. Excellenz Ruof Pascha, Generalgouverneur im Sudan, gerichtet ist. Dann sprachen wir auch noch den Finanzminister und Präsidenten des Ministeriums, Riaz Pascha und Blum Pascha, einen Wiener Juden, der sich bei Regelung der egyptischen Finanzen verdient gemacht hat. Riaz Pascha empfing mich sehr freundlich und erkundigte sich über unsere Mission unter den Falaschas. Er war sehr erstaunt, daß 200 000 Juden in Abessinien wohnen, und daß unsere Gesellschaft seit 20 Jahren eine Mission unter ihnen erhält. Als ich mich verabschiedete, sagte er lächelnd: „Hüten Sie sich, in die Nähe des Königs zu gehen, sonst könnten Sie in eine zweite Gefangenschaft gerathen!" Auch die General-Konsuln von Deutschland und England habe ich besucht; letzterer ersuchte mich, ihm Bericht zu erstatten, wie cs mit der Sklaverei in Cassala und Matama stände. Ich habe aber nirgends versäumt, ausdrücklich zu betonen, daß die Instruktion meiner Kommitee mir jegliche Einmischung in Politik auf's Strengste untersage; meine Aufgabe sei, die Mission in Abessinien zu pflegen und unsere Arbeiter mit Gottes Wort zu versorgen. Durch meine Audienz beim Vice-König und die Empfehlungsschreiben, die ich besitze, wird es mir möglich werden, unsere Korrespondenz mit den Brüdern über Chartum oder Cassala nach Matama gehen zu lassen, sodaß sie zum Wenigsten vierteljährlich ihre Briefe und Berichte senden und die unseren erhalten können. Ich muß es zu meiner eigenen Demüthigung bekennen, daß, wiewohl Alles nach Außen viel besser ging, als zu erwarten war, ich innerlich sehr mit Zweifeln, Kleinglauben und hunderterlei Sorgen geplagt bin, und ich, seit ich hier bin, noch lauter schlaflose Nächte hatte. Namentlich die Sorge, wie ich die vielen Bücher nach Matama und von dort nach Abessinien bringen soll, und die andere, wie ich die Brüder nach dem inncrn Stand ihres Glaubcnslebcns finden werde, liegen mir schwer auf. Ich kann diese Sorgen weder wegbeten noch wegglauben. Sie liegen wie finstere Mächte auf mir, sodaß ich Tag und Nacht seufze und schreie. Wie oft muß ich mir den Vers wiederholen: „In deine Gnade hülle Mein schwaches Herz, Und mach' es endlich stille Ju Freud' und Schmerz. Laß ruhn zu deinen Füßen Dein