Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 1-2 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554868-2554870--07528-2563542- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Geliebte jüdische Freunde, ihr könnt es doch nicht leugnen, daß von Mose an alle die Männer, welche ihr und wir Propheten Gottes nennen, eurem Volke die Zerstreuung als das äußerste der Gerichte des HErrn angcdroht haben. Mögen sich von Alters her und noch immer so manche eurer Lehrer und Rabbiner bemüht haben, eurer Verbannung aus der Heimath eine andere Bedeutung zu geben, und mag euch ein alter rabbinischer Spruch zurufen: „An dem Tage, da der Tempel zerstört wurde, ist der Messias geboren"; mögen sie eure Wanderung durch die Völker einen Wandcrzug des Propheten oder Gesalbten Gottes durch die Stationen nennen und euch als den Leuchtthurm im Sturm der Zeiten erheben, — eure Schrift weiß von dem allen nichts, sondern legt euch eure Zerstreuung und euer Leben in der Ferne ganz anders aus. Auch Hesekiel redet euch an K. 36, 17 fl.: „Du Menschenkind, da das Haus Israel in ihrem Lande wohneten, und dasselbe verunreinigten mit ihrem Wesen und Thun, daß ihr Wesen vor mir war, wie die Unreinigkeit eines Weibes in ihrer Krankheit; Da schüttete ich meinen Grimm über sie aus um des Bluts willen, das sie im Lande vergossen, und dasselbe verunreinigt hatten durch ihre Götzen. Und ich zerstrenete sie unter die Völker, und zerstäubte sie in die Länder; und richtete sie nach ihrem Wesen und Thun." Das Leben in der Fremde aber beschreibt der Mund Gottes nicht minder ernst. K. 20, 33 läßt der HErr durch den Propheten bezeugen: „So wahr ich lebe, spricht der HErr HErr, ich will über euch herrschen mit starker Hand und ausgestrecktem Arm und mit ausgeschüttetem Grimm." Und hat sich diese Drohung Gottes nicht verwirklicht? hat euch nicht ein Jahrhundert um das andere immer wieder auf's Furchtbarste an dieselbe erinnert? Ihr meintet in unserer Mitte Gottes treue Bekenner zu sein, Gott aber ist euch vielmehr in allen Ländern so begegnet, wie es hier beim Propheten zu lesen steht. Gewiß waren es frevle Hände, welche vom wilden Verlangen nach Vergeltung getrieben in so vielen Verfolgungen das Blut von Tausenden und aber Tausenden eures Volks vergossen haben. Aber ihr kommt deshalb nicht um das Zeugniß eurer Gottesmänner herum, die hinter den blutigen Menschenhänden und hinter den