Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 1-2 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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die gefährlichste Gestalt annimmt. Denn an ihrem Glauben festhaltende Christen geben noch die Möglichkeit einer Versöhnung zwischen Juden und Christen zu, ja, sie hoffen auf eine solche und freuen sich der Zeit, wo sie in der gemeinsamen Anerkennung Christi als des Heilandes Aller geschehn wird. Gläubige Christen sehn als das Ziel, welches sie hinsichtlich der Juden erreichen wollen und sollen, die innigste Freundschaft und Verbindung mit denselben an; und soweit sind ihnen die Juden, auch wenn diese selbst eine solche Art der Vereinigung nicht gelten lassen wollen, doch sicherlich Leute, deren Wohl sie von Herzen begehren. Anders steht die Sache in dem sogenannten liberalen Lager der Christen. Hier beginnt man, wie vorher schon angedeutet, in der früheren Jndenfreundschaft fast überall mindestens außerordentlich zu erkalten; und das größte Gefolge finden Hierselbst vielmehr die Propheten der Judenfeindschaft. Unter den älteren Anhängern des religiösen und politischen Liberalismus scheut man sich noch, mit den früher stets hochgepriesenen und gepredigten Ideen zu brechen, obwohl auch dort die wirkliche Judenfreundschaft zumeist außerordentlich abgenommen hat; aber in der jüngeren Generation reift ein geradezu erschreckender Judenhaß heran. Nicht daß diese jüngere Generation der Christen überwiegend zum alten Glauben zurückkehrte und aus christlich religiösen Überzeugungen den Juden entgegentreten wollte; der weitaus größere Theil derselben ist religiös durchaus freigesinnt und ist auch politisch liberal, aber in der Judenfrage scheidet sie sich eben von dem früheren Liberalismus; weil ihr die Gedanken und Ziele des Glaubens abhanden gekommen sind, gestaltet sich ihre Gegnerschaft gegen die Juden auch so überaus verderblich. Man will hier von den Juden überhaupt nichts wissen, man kennt und fühlt gar nicht den Trieb zur Vereinigung und Versöhnung mit denselben, man will keinen Weg kennen lernen, der zu einer Gemeinschaft mit denselben führte, nachdem man bei der Quelle vorübergegangen ist, aus der eine friedliche Gesinnung gegen die Juden und aus der die Kraft für eine Liebesverbindung mit denselben fließt; sondern man sieht in ihnen nur noch die fremde Ratze und das fremde Volk, das man bekämpfen muß und will. Ungeheure Schaaren der Deutschen betrachten die Juden in unserm Lande nicht anders als die Franzosen während der Jahre 1806 bis