Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 11-12 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554860-2554867--07510-2563527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
194 der Selbstgenügsamkeit aufgeben. An der Lauterkeit seiner Bekehrung bestand kein Zweifel; sein tadelloser Wandel zeugte davon, aber auch Juden sowohl wie Christen erkannten sie an; die letzteren durch ihre hohe Achtung, die sie ihm erwiesen, die ersteren durch ihren Haß und ihre Verleumdungen." Soweit jener Bericht, und soweit für heute die Mittheilungen über diesen Mann; ein anderes Mal folgt vielleicht noch Einiges aus den Reden von Monis als Nachtrag. Zeugnisse in der Iudenfrage. Drei Schriften sind uns von den Verfassern oder Herausgebern mit der Bitte, sie zu besprechen, zugesandt worden, und das soll nun geschehen: 1. Die deutsche Sprache im jüdischen Gottesdienst. Leo Rauchmann. Zürich, Verlagsmagazin. 1880. S. 40. Mk. 0,80. Der jüdische Verfasser, dessen religiöser Standpunkt freilich nur der des modernen Humanismus ist, hat doch mit seiner Forderung an unsere Juden — die ja durchaus behaupten, wirkliche Angehörige der Völker, unter denen sie wohnen, zu sein, und die thatsächlich das Hebräische nur noch herzlich schlecht verstehen, während die Frauen unter ihnen kaum eine Ahnung von demselben haben — vollständig Recht, die Sprache des Landes auch in ihrem Gottesdienst einzuführen. Ganz richtig tadelt er es, daß die Juden den Gebrauch des Hebräischen in ihrem Kultus als eine religiöse Pflicht betrachten, während die Gebete in dieser Sprache für sie zu unverstandenen Formeln herabgesunken sind; auf innerer Wahrheit und nicht auf der Erfüllung gewisser Leistungen, das betont er der falschen pharisäischen Auffassung gegenüber sehr gut, beruht der Werth jedes Gottesdienstes. Ebenso aber erkennt er darin einen Schaden für die innere Wahrhaftigkeit des jüdischen Gottesdienstes, daß derselbe mit Gebetstücken förmlich überladen ist, und also das Gebet die Seele zerstreut, die Andacht tobtet, den Geist abstumpft, das bloße Außenwerk, die bloße äußere Leistung des Mundes zur Hauptsache macht, den Gottesdienst mit einer Langenweile erfüllt, welche die Anwesenden zum Schwatzen u. s. w. verführt, und durch das alles Scheinwesen oder Heuchelei ausbildet. Auch eine Verkürzung der Gebete fordert er daher. Von der jüdischen Predigt