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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 11-12 (1880) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
11-12 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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190 prächtiger Synagogen und der zahlreiche Synagogenbesuch än den jüdischen Festen spricht am Allerwenigsten für ein wahreres religiöses Leben, viele Juden selbst gestehen dies offen ein (Jes. 1,12 fl.); thatsächlich beweist jene Erscheinung vielmehr nur, daß die Juden nicht gewillt sind, in andere Gemeinschaften-auszugehen, sondern entschlossen sind, an ihrer Besonderheit festzuhalten. Sonst aber ist es unleugbar, daß nicht blos der Talmudismus in Israel abstirbt, sondern überhaupt auch jeder positive religiöse Glaube in erschreckendem Maße abnimmt. Eine solche Zweifelsucht und eine solche Verworrenheit, ein solcher Zwiespalt und eine so völlige Ungewißheit über alle und auch die Grundfragen der Religion, wie unter den die Emancipation erstrebenden oder besitzenden Juden, herrscht in keiner Religionsgemeinschaft der ganzen Welt. Nur die Chasidim haben noch einen bestimmten sicheren Glauben, aber freilich einen solchen, der selbst in den Augen der übrigen Juden als ein System der tiefsten Finsterniß erscheint. Der religiöse Boden droht ganz eigentlich allerwärts den Juden unter den Füßen zu entschwinden. In der Angst darüber versucht man vielfach innerhalb der Kulturländer eine modernisirte Orthodoxie in's Leben zu rufen, oder mit mehr Geschmack den Kultus einzurichten, oder um Propheten des Himmels, wie es die chasidischen Rabbinen sind, die Massen zu schaaren. Schließlich jedoch stehen die Meister und Wortführer rathlos da; das Schiff ist vom alten Ufer abgestoßen, aber wohin es nun steuert, das weiß Niemand unter allen Juden, so hat ein jüdischer Schriftsteller die Lage richtig bezeichnet, in welcher sich das moderne Israel und Judenthum befinden. Da klammert man sich mit aller Macht und Leidenschaft an den jüdischen Stamm als an das einzig Greifbare, einzig noch Gebliebene und einzig Vereinigende. Jeder Glaubenssatz bringt sogleich Spaltungen hervor, jede Einrichtung im gottesdienstlichen und gemeindlichen Leben erregt sofort Zwiespalt — nur der Name „Jude" und nur „die jüdische Ratze" bilden das Einheitsband, wo kein geistiges mehr gefunden werden kann. Wo diese Fahne aufgepflanzt wird, da sammelt man sich und reicht sich die Hand gegen moderne wie nicht moderne Völker, gegen Liberale und Konservative, gegen Christen und alle Religionen. Für „den Juden" tritt man, ohne weitere Prüfung, in der ganzen Judenschaft überall ein und macht gemeinsam gegen Jeden Front, der irgend eines

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