Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 11-12 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554860-2554867--07505-2563522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
189 auch hier der Absatz von Neuen Testamenten. Ein junger Jude kam von 30 Meilen Weite herbei, um ein Neues Testament zu erstehn. Ein Rabbi aber äußerte: „Ich habe das N. T. -sorgfältig studirt, und das Ergebniß meiner Untersuchung ist, daß der Standpunkt, den es hinsichtlich der Moralität einnimmt, ein höherer als der des Gesetzes ist, da es die Menschen nicht allein die äußeren Gebräuche der Religion ausüben, sondern Gott im Geist und der Wahrheit anbeten lehrt." In der Knabenschule der Gesellschaft wurden 168, in der Mädchenschule 305 Kinder unterrichtet; und auch in Susa beginnt eine Missionsschule Boden zu gewinnen. Ueberhaupt aber gehören die Schulen zu den wichtigsten Zweigen der Missionsthütigkeit der Londoner Gesellschaft; 1200 jüdische Kinder werden hier von früh auf mit ihrem Heilande bekannt gemacht. Wir übergehen Abessinien, über das wir.ja sonst immer ausführliche Berichte bringen, und eilen zum Schluß. Da drängt sich uns die Frage auf: 10. Was sagt uns das Keule Israels? Mehr denn je zuvor muß sich jetzt die Mission vor den Gewissen der Christen rechtfertigen, und wichtiger denn je verspricht sie für die Juden selbst zu werden. Die Betheiligung der Juden am allgemeinen Völker- und Kulturleben, die sog. Emancipation und Eingliederung derselben in die Nationen und Staaten nach der Weise aller anderen Staatsbürger wurden etliche Jahrzehnte hindurch gewissermaßen als ein unumstößlich richtiges Dogma betrachtet, das denn auch vielfachen Beifall unter den Christen, je länger je mehr aber den fast allgemeinen unter den Juden fand. Die Presse und die Gesetzgebung thaten dazu alles Mögliche, um diese Meinung zu befestigen und sie allseitig in's praktische Leben zu übersetzen. Aber gerade je mehr dies letztere geschah, desto mehr erwachten wenigstens unter den Christen, und heute sogar unter den Bewunderern der modernen Ideen in ihrer Mitte, die lebhaftesten Bedenken dagegen, ob man mit der bloßen Emancipation der Juden ihnen selbst und den christlichen Nationen wirklich wohl gethan und einen Dienst erwiesen habe. An Religiosität haben die Juden seitdem entschieden nicht gewonnen, sondern die allerernsteste Einbuße erlitten. Das Erbauen