Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 11-12 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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191 Mißfallen unter ihnen erweckt. Die jüdische Solidarität ist allerdings eine der allergewissesten Thatsachen, und ist es ohne Geheimbünde oder Verschwörungen. „Zusammengeschlofsen unter den Unglauben" nennt Paulus die Juden, welche statt der Kirche die Synagoge gewählt haben, und nie waren sie so fest zusammengeschlossen als heute. Zusammengeschlossen ist auch noch heute die Judenschaft in der Abweisung, ja noch mehr in der bitteren Befehdung des Christenthums. Dieses alte pharisäische und talmudische Erbe ist ihnen geblieben, und der moderne jüdische Geist steht, mit dem kostbaren Kulturgewand der Neuzeit umhüllt, noch viel erregter dem Christenthum gegenüber. Rastlos vorwärts strebend, weil von dem unruhigen Verlangen getrieben, die Welt sich unterthan zu machen, muß der jüdische Geist immer wieder auf Schritt und Tritt in dem Völkerleben, in das er Einzug halten will, dem Christlichen begegnen, und das reizt ihn auf's Tiefste. Wehe denen insbesondere, die ihm auf seinen Wegen Widerstand leisten —oder ihn seinen Eroberungszug nicht weiter thun lassen und ihm wohl gar das schon gewonnene Gebiet streitig machen wollen. Dann schäumt er auf. Und ein Treitschke oder Stöcker, die es gewagt haben, ihm öffentlich entgegenzutreten, werden deshalb von den Juden zweier Welttheile gemeinsam angegriffen; man fühlt es eben allgemein im jüdischen Lager, daß der jüdische und der christliche Geist in einen Ringkampf gerathen wollen, und sucht alsbald die schärfsten, sucht besonders die ekelsten Waffen auf, um ihm diesen Kampf zu verleiden. Niemand vermag in diese innere Aufregung und diese Feindschaft tiefere Blicke zu thun, als die Mission, weil sie das Wogen und Wallen im jüdischen Lager ganz unmittelbar ansieht und es fort und fort mit erlebt. Aber Niemand hat auch geringere Furcht und geringeren Respekt vor dem jüdischen Zorn, vor dem jüdischen Geist und den jüdischen Waffen als die Mission; denn dieselben erweisen sich jedesmal ohnmächtig, so oft die Boten Christi ihnen mit dem Zeugniß des Evangeliums entgegentreten. Die Ungefährlichkeit des jüdischen Zorns kennt ja auch die Mission aus langer Erfahrung; denn sie hat denselben, so lange sie auf dem Plane ist, erleiden müssen, und ihre einzige Antwort war stets, daß sie tiefer in das jüdische Lager eindrang. Ganz allgemein bezeugen die Missionare, daß gerade heute, wo das Judenthum so stolz, so siegeszuversichtlich, so bitter, so zornig gegen alle seine Angreifer auftritt, nun