Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1880-01-01 · 11-12 (1880) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
11-12 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554860-2554867--07499-2563516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

183 Bekenntniß" vor, und da dieser zu den Worten kam: „Auf daS Kommen des Messias, auch wenn er verzieht, hoffe doch", öffnete der Kranke seine Augen und rief aus: „Halt' ein, ich mag das nicht hören, denn der Messias ist schon gekommen!" Die Leute im Zimmer waren höchst aufgebracht und schlugen ihn so auf den Mund, daß er alsbald verschied. Der Vater aber mußte eine große Summe zahlen, damit sein Sohn beerdigt würde, und erlangte es auch nur, indem er vorgab, sein Sohn sei irre gewesen. Die Israelitische Allianz suchte durch Errichtung von Schulen die Missionsschule zu vernichten; dennoch gelang es nicht, sondern dieselbe wurde durchschnittlich von 314 Knaben und Mädchen besucht. Die Gottesdienste fanden in spanischer und deutscher Sprache statt, und deren Besuch war gut; ein Jude, der denselben beiwohnte, wurde mit der Bastonade bedroht und mußte das Haus verlassen, in dem er doch seine Miethe bereits vorausbezahlt hatte. Eine kleine Proselytengemeinde aber ist in der türkischen Hauptstadt die Frucht treuer Arbeit. Der tüchtige Missionar in Smyrna, Pr. Eppstein, hat sich besonders durch seine medizinischen Kenntnisse den Weg^ zu den Juden gebahnt. Auch in Magnesia begrüßte man ihn mit Freuden als den vr. Min (Ketzer), der gegen alle Leidenden so freundlich sei. Seine Widersacher hatten vergeblich versucht, die Juden von ihm zurückzuhalten, zuletzt kamen vielmehr selbst einige seiner bittersten Feinde und baten auch um ärztlichen Rath. Natürlich wurden sie freundlich ausgenommen. Das brachte sie ganz außer Fassung und beschämte sie. Unter den Patienten befand sich z. B. eine Jüdin. Indem der Missionar ihren Namen aufschrieb, frug er sie: „Sind Sie die Frau des M.?" Die arme Frau sagte darauf voll Bangens zu den Danebenstehenden: „Ach, er wird mir nichts verschreiben! Sagt ihm, das sei ein anderer M." Pr. Eppstein aber antwortete ihr: „Fürchten Sie nichts; unser Evangelium heißt uns unseren Feinden vergeben, ihnen Gutes thun und für sie beten!" Er behandelte sie mit besonderer Sorgfalt, und als sie wegging, hörte er sie unten sagen: „Ist das der Mensch, den mein Mann beleidigt? Was ist er doch für ein Engel; er handelt viel mehr, wie ein guter Jude handeln sollte, und sicherlich in einem besseren Geiste als mein Mann und jeder Rabbi; nun soll ihn aber mein Mann auch nicht mehr beleidigen." Etwas später kam M. selbst; 13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.