Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 11-12 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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184 auch er empfing ärztlichen Rath mit aller Höflichkeit und Freundlichkeit, ohne daß ihm ein tadelndes Wort gesagt wurde. Beim Weggehen sprach er: „Ich bin über dieses Benehmen des Missionars ganz erstaunt; wäre ich an seiner Stelle gewesen, so würde ich ihm seine groben Beleidigungen gegen mich vorgeworfen und ihm keine Arznei gegeben haben. In solchem Benehmen ist etwas wahrhaft Edles und Menschenfreundliches." Daß die Predigt von Christo aus dem Munde eines derartigen Missionars in den darauf folgenden Tagen aufmerksame Hörer fand, ist begreiflich. Im Allgemeinen nehmen jedoch auch in Smyrna und Klein- Asien überhaupt, wie in Europa, der Unglaube und die religiöse Gleichgültigkeit zu, Hand in Hand damit gehend aber auch hier die bittere Erregung gegen das Christenthum, welches eine solche Herzensbeschaffenheit nun einmal am Strengsten richtet. Nur unter den ärmeren und niedrigeren Klassen der jüdischen Bevölkerung seines Distrikts findet Pr. Eppstein mehr religiöses Fragen. Sonst vereinigen sich die fanatisch Orthodoxen mit den Modernen zum gemeinsamen Haß gegen das Christenthum und zur Verfolgung der Aermeren, die-das Evangelium fleißiger hören. Als aber Pr. Eppstein zum Besuche nach England ging, zeigte es sich recht, wie viele der Juden ihn bereits liebgewonnen hatten. Zahlreich kamen sie zu ihm und sprachen ihm ihre Hoffnung aus, daß er doch wiederkehren werde; selbst bigotte Juden baten ihn, er möge sich nicht etwa durch ihr Verhalten gegen ihn bestimmen lassen, von ihnen zu gehen. Sie setzen eben überall voraus, daß er ihnen gern Gutes thue. In Verlegenheiten wenden sich viele Juden lieber an ihn als an den Oberrabiner. So erbaten sie seine Fürsprache, als ein jüdisches Mädchen ihren Eltern von einem Türken weggenommen worden war, der behauptete, sie habe den Wunsch, Muhamedauerin und sein Weib zu werden, ausgesprochen; und ähnliche Beweise ihres Vertrauens empfängt er zu wiederholten Malen. Miss. Reichardt hat Damaskus zu seiner Station, besuchte aber von derselben aus auch Beirut, Alexandretta, Aleppo und Antiochia. In Aleppo wohnen etwa 5000 Juden, die sich zumeist mit Handel beschäftigen, einige find reiche Kaufleute und BanquierS. In Alexandretta, das nur wenige jüdische Familien zählt, betreiben dieselben die Handelsagentur. In Antiochia leben nur 60—80 jüdische Familien unter Ruinen und in vielfach verwüsteten Häusern