Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 11-12 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Und wie eifrig diese Schriften gelesen werden, davon hat man zahlreiche Beispiele gehabt. Einem Juden, der sich seines Almosengebens rühmte, antwortete ein Anderer, auf den Kolporteur hinweisend: „Kauf dir von diesem Manne ein Neues Testament, so wirst du daraus lernen, daß es nicht recht ist, laut seine Thaten der Freigebigkeit vor sich auszuposaunen, sondern daß, wenn man Almosen giebt, die Linke nicht wissen soll, was die Rechte thut!" In der Missionsschule wurden 186 jüdische Mädchen unterrichtet, und Niemand erhob dagegen Einspruch, daß dieselben auch christlichen Religionsunterricht erhielten. Die Gebete geschahen im Namen Jesu, das Neue Testament wurde gelesen und christliche Lieder gesungen, die man hernach auch vielfach aus jüdischen Häusern heraus ertönen hörte. Ein alter Jude mit seiner Frau, Eltern dreier getauften Töchter und Großeltern eines getauften Mädchens, wurden in die christl. Kirche ausgenommen; fast die ganze Familie ist nun christlich. Von den Bekehrten dieser Mission sind drei Kolporteure, eine die Frau eines Kolporteurs, eine andere die eines Missionars, ein Bekehrter ist Judenmissionar, zwei sind Bibelkolporteure in Ungarn und unter den Rutheuen, einer Student der Theologie, vier sind voll Freude, zwei andere jedenfalls im tiefen Gefühle ihrer Sündhaftigkeit heimgegangen; mehrere andere ernähren sich redlich und legen gern mit hülfreiche Hand an in ihres HErrn Sache, eine Anzahl ist weitergewandcrt, und etliche haben am Glauben Schiffbruch gelitten. Haben wir aber bisher die Mission auf christlichem Boden verfolgt, so treten wir jetzt auf muhamedanischen und betrachten sie zunächst im Gebiete der: 8. Europäischen und Astatischen Türkei. Unter den traurigen Verhältnissen der Türkei leiden auch viele der dortigen Juden mit; nur die Banquiers, Börsenspekulanten, Geldwechsler und Leute ähnlicher Art fühlen nichts von der sonst überall herrschenden Noth. Die Mission jedoch hat reichlicheren Zugang als in vielen anderen Jahren unter den Juden gefunden, die Schulen und Gottesdienste waren gut besucht, viele Heilige Schriften wurden abgesetzt, und auf den Missionsreisen waren zahlreiche Juden zum Anhören der Predigt von Christo bereit.