Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 11-12 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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180 bisher nach der Lehre des Talmud geglaubt habe, er werde durch die Verdienste der Vorfahren und frommen Rabbinen und weil er die Beschneidung empfangen habe, das Himmelreich ererben. „Nun aber haben Sie aus der Bibel bewiesen, daß die Lehre des Talmud falsch sei, daß die Verdienste Anderer uns nichts nützen, sondern allein Buße und Glaube an den Messias uns helfen können. Da fühlte ich mich wie der reiche Hiob plötzlich arm geworden, und Sie waren in meinen Augen der Bringer der bösen Botschaft. Ja, nun fühle ich mich nicht mehr als einen Erben des Himmelreichs, sondern als einen armen, elenden Sünder." Die Veränderungen, welche anderwärts in der ganzen Sinnesart der Juden Vorgehen, machen sich auch in diesen Gegenden bemerklich und werden von den nachdenklichen Israeliten wohl beachtet. In dem Hause eines orthodoxen Juden wurde der Niedergang des Judcnthums der Gegenstand des Gesprächs. Der Missionar frng denselben, wie weit dies gehen werde? Der Jude aber entgegnete, es könne nicht mehr weiter gehen, da das Judenthum nur noch den äußeren Schein einer Religion habe. Auf die Frage aber, ob die Juden also ohne Religion weiter fortleben würden, antwortete er, das wisse er nicht, wohl aber, daß alle Dinge von Gott kämen, und dies der Trost der Rabbinen sei, welche diesen Niedergang nicht aufhalten könnten. In der That, der Unglaube dringt in das Lager Israels erstaunlich ein, und derselbe führt besonders unter den sogenannten Reformern oder Fortschrittlern seltsame Dinge zu Tage; die entschiedenen Orthodoxen haben um so größere Sorge vor dem Eindringen des Christenthums unter die Juden: beide Theile aber sind voll Unruhe. Manche Seelen wieder fühlen die Nothwendigkeit einer Erlösung, aber wollen von ihrem wahren Heilande noch nichts wissen und hören, sodaß auch sie nun Irrwege dahingehen. Hier kann nur das Wort Gottes zuletzt den Ausweg zeigen, und darum ist es so erfreulich, daß die Schrift unter den rumänischen Juden durch die Mission fleißigst verbreitet wird. 159 Neue Testamente, 514 Theile desselben, 86 ganze Bibeln, 149 Alte Testamente und 343 Theile desselben wurden von Juden gekauft. Ebenso wurden nicht weniger als 4829 Missionsschriften hauptsächlich an Juden verkauft und nur 2023 umsonst vertheilt; allein für M'Cauls „Wahren Israeliten" wurden 65 Mark eiugelöst.