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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 11-12 (1880) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
11-12 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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177 6. Ausland. Die Londoner Mission arbeitet hier im Königreich Polen und in Kischineff. Warschau mit 100,000 Inden ist bekanntlich die größte Judenstadt der Welt, aber auch Lodz, die Fabrikstadt des Landes, zählt unter 100,000 Einwohnern 40,000 Juden. Selbst in diesem Gebiete ist ein auffälliges Wachsen des Unglaubens und der Zweifelsucht unter den Juden wahrzunehmen; vielfach aber herrscht auch hier große religiöse Gleichgültigkeit, und nicht selten geschehen, besonders unter den reicheren Juden, Uebertritte zur christlichen Kirche ans rein weltlichen Gründen. Zur römischen Kirche insbesondere treten viele junge Juden über, um Katholikinnen zu heirathen. Die Evangelischen dagegen sehen derartige Uebertritte zu ihrer Kirche nur in seltenen Fällen geschehen. Zum Hören des Wortes waren jedoch auch hier Viele geneigt. — Prediger Ellis hat in Warschau Bibelstunden eingerichtet, die selbst beim schlechtesten Wetter und stärksten Schneefall von Juden fleißig besucht wurden. Ferner fanden Vorträge über die zwischen Juden und Christen streitigen Punkte statt. Die Einheit Gottes, die göttliche und menschliche Natur des verheißenen Messias, die Lehre von der Versöhnung nach dem Alten Testamente und die jüdischen Theologen wurden behandelt, und sowohl Juden als Proselyten und Christen wohnten diesen Vorträgen fleißig bei. Bei seinen Gesprächen mit den Juden erwies auch von Neuem wieder das 53. Kapitel Jesaia seine Macht. Ein alter Jude frug den Missionar nach einer Bibelstunde, was er von diesem Kapitel denke? er selbst wisse gar nicht, wen der Prophet da im Sinne habe. Prediger Ellis hielt ihm entgegen, wie unrecht es doch sei, in so wichtigen Sachen nicht Alles aufzubieten, um zu einem Schlüsse zu kommen, und beschämt ging der Alte davon. Der Kolporteur durfte in 10 Städten mit 68,000 Juden den Samen des Wortes Gottes ansstreuen; in Läden, Häusern und auf den Straßen fand er reichliche Gelegenheit zu Gesprächen mit Juden. In Alexandrow traten die Juden zuerst sehr feindlich gegen ihn auf, versammelten sich bei seiner Wohnung und warfen Koth und Steine durch die Fenster hinein; als aber der Kolporteur furchtlos zu ihnen heraustrat und mit ihnen freundlich sprach, wurden sie bald ruhig. Miss. Island fand nicht weniger geneigtes Gehör auf seinen

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