Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 11-12 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Missionsreisen. Ein reicher Jude-wandte sich nach einer Unterhaltung zu den andern anwesenden Inden hin und sprach zu ihnen: „Meine Brüder, Sie wissen, daß ich Niemandem schmeichele, aber ich sage Ihnen, daß ich in Wahrheit unter allen Geistlichen, sie mögen jüdische oder christliche sein, nur die Missionare bewundere, denn sie allein verwenden alle ihre Kraft, Talente und Zeit auf die Juden, die doch ihre bittersten Feinde sind." Ein Anderer, der damit ringt, daß er die Kraft für den Kampf, welchen ein Bruch mit der Familie verursacht, empfange, verkündigt das Evangelium Inden und Christen, und liest das Evangelium oft drei kranken Inden und einem blinden und kranken Christen vor, der schon Jahre lang an das Bett gefesselt ist; als Chirurg hat er Gelegenheit, dieselben öfters zu sehen. Obwohl arm, kauft er Neue Testamente und Bibeln, soviel ihm seine geringen Mittel irgend erlauben, und schenkt sie Anderen. So ist ein reicher Jude aus der Bekanntschaft des Missionars, dem dieser Chirurg ein Neues Testament schenkte, zum Worte des Lebens gebracht worden. Dieser arme Mann besucht den christlichen Gottesdienst häufig, wofür ihn seine Frau verflucht und mißhandelt, während sein Schwiegervater sich bemüht, seine Bibeln und Traktate zu zerreißen. P. Faltin erhält noch weiter sein segensreiches Asyl in Kischineff, in dem schon so viele Juden getauft und zu nützlicher Thätigkeit erzogen worden sind, beschränkt aber seine Thätigkeit nicht auf Kischineff, sondern bereist oder läßt durch Kolporteure auch Bcssarabien bereisen. An einem Orte vertheilten sie 185 Neue Testamente und 169 Traktate, an einem anderen 220 Neue Testamente an die Juden. Als einmal der Kolporteur eine kleine Schaar von Juden, die ihm zuhörten, um sich versammelt sah, trat eine wohlgekleidete Dame heran und sagte: „Ich kannte diesen Mann als kleinen Knaben; sein Vater war einer der besten Rabbiner seiner Zeit. Als er starb, schloß jeder fromme Jude zum Zeichen der Trauer seinen Laden. Habe ich also nicht Recht, zu weinen, wenn ich sehe, daß sein Sohn ein Christ geworden ist?" Der Prosclyt aber fand darauf nur eine schöne Gelegenheit, den Juden zu zeigen, wer ein wahrer Israelit sei. Ein bekanntes und bedeutendes Missionsgebiet ist auch: