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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 11-12 (1880) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
11-12 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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175 4. Oesterreich. Auch hier übt der Geist der Neuzeit seinen entscheidenden Einfluß auf die Juden aus und wirkt, da dieselben sich nicht für das Evangelium entscheiden wollen, zunächst fast nur religiös auflösend. Miss. Lotka berichtet aus Galizien, daß selbst in diesem Lande, welches doch die Hauptburg der Orthodoxie ist, der Unglaube große Verheerungen anrichtet. In Lemberg und den größeren Städten rühmen sich die Juden selbst gegen den Missionar ihres Unglaubens, aber auch selbst in kleinen Orten erklären ihm häufig Juden, daß die Philosophie, von der sie freilich herzlich wenig verstehen, die wahre göttliche Weisheit sei. Die Ernsteren unter den Juden erkennen denn auch die ihnen drohende Gefahr wohl und machen allerlei Versuche, um ihr zu begegnen. So fand in Lenlberg eine Versammlung von orthodoxen Rabbinen aus ganz Galizien statt, die sich darüber beriethen, wie man den Wolf des Unglaubens von ihren Heerden abhalten könne. Sie faßten mehrere sehr energische Beschlüsse und lassen nun eine Zeitung zur Vertheidigung des alten talmudischen Glaubens erscheinen, aber die Zeit desselben ist dahin, und das in sich Todte kann Niemand zum wahren Leben erwecken. Auch hier soll vielmehr das Gericht über jenes falsche System ergehen, welches den Heiland einst an's Kreuz gebracht und die verlorenen Sünder so lange von ihrem alleinigen Erlöser fcrngehalten hat. Der sogenannte Fortschritt, welcher gar kein Glaubensbekenntniß ist und hat, auf der einen Seite, und der Chasidismus auf der andern Seite, welcher den Leuten statt der modernen Bildung und ihres vermeintlichen Geistes sog. wunderthätige und mit dem Geiste Gottes ausgerüstete Rabbinen giebt, vernichten jenen pharisäischen Talmudismus, der die Juden von Christi Tagen an beherrscht hat, und führen eine neue Zeit in Israel herbei. So ist es hier, so im ganzen Osten von Europa. Aber Orthodoxe und Ungläubige, Pharisäer und Sadducäcr, Chasidim und ihre Rabbinen, obwohl unter sich gespalten, sind gegen diejenigen eins, welche dem Worte Christi gehorchen wollen. Solche Leute, die etwas Besseres als die innerlich zerfallende jüdische Religion suchen, und die nun den Missionar darüber beragen, werden ausgestoßcn und nicht selten heftig verfolgt. ^Dann zeigt es sich aber doppelt klar, daß alle Missionsarbeit der Anlehnung an eine bestehende Kirche bedarf; und daß dies in

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