Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 11-12 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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174 weiten Kreisen der Juden mit dem Inhalte desselben ist. Die Kolporteure berichten denn auch von reichlichem Absatz des Neuen Testamentes unter ihnen. Missionar Rosenstrauch in Deutz hat einen Juden zur Taufe gebracht, dem er zwei Jahre zuvor ein Neues Testament gegeben hatte, und der, nachdem er lange den Versuch gemacht, .den Eindruck, welchen das Lesen in demselben auf sein Herz hervorgebracht hatte, zu vergessen, schließlich es nun doch nicht konnte und Christ ward. Ein gewisser Caplan aber, der eine Geographie von Palästina in hebräischer Sprache geschrieben hat und als Gelehrter wie als frommer Mann bei den Juden gleich angesehen war, fühlte sich noch in der Todesstunde getrieben, den Heiland zu bekennen, welchen er aus seinem Worte kennen gelernt, und dem er Zeit seines Lebens doch immer den Gehorsam versagt hatte. Als er von hinnen scheiden wollte, standen Juden uin ihn, und in ihrer Gegenwart rief er wiederholt aus: „Jesu von Nazareth, komm und errette mich!" Vergeblich suchten ihn die Juden zum Schweigen zu bringen, er rief es immer wieder; da haben ihn dieselben für einen Wahnsinnigen erklärt, und unter dem Vorwände, daß er nicht gewußt, was er geredet, auf ihrem Todtenacker als einen der Ihrigen beerdigt. Aber auch unter den gläubigen Christen beginnt die Erkenntniß zu wachsen, daß man eine geistliche Pflicht gegen Israel habe. Viele Missionare wissen zu berichten, daß solche sich Traktate und Schriften erbeten haben, um sie unter Juden zu verbreiten, und dann auch wohl die Gelegenheit wahrnahmen, über das Gelesene mit ihnen zu sprechen. Geistliche haben sich wiederholt Packete von Schriften bestellt, um dieselben unter Juden ihrer Umgebung zu verbreiten und verbreiten zu lassen. Aus Preußen, dem Rheinlande, dem Elsaß, Würtemberg und Baden wird in völlig gleicher Weise das zunehmende Interesse von Christen am Missionswerke gemeldet. Miss. Pick durfte in Straßburg vor 40 Geistlichen der Theologischen Gesellschaft über das Thema: „Wie können christliche Gemeinden zur Theilnahme an der Judenmission erweckt werden" einen Vortrag halten; und nur da, wo in ungerechter Weise für die Juden Partei ergriffen wird, klagt man über die Gleichgültigkeit der Christen gegen das Werk. Die Judenmission in Deutschland darf sich entschieden sagen, daß sie an ihrer Stelle ist und eine hohe Bedeutung hat. Recht schwierig gestaltet sich die Arbeit in: