Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 11-12 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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173 sondern um den Völkern den einen Gott zu lehren und gegen den dreieinigen zu zeugen." „Ein Jude", erklärte ein jüdischer Kaufmann dem Missionar Rosenstrauch zu Cöln, „kann ein religiöser Mensch sein, ohne an ein ewiges Leben zu glauben." Ein anderer aber, der vor seinen Kindern sich als streng orthodox geberdete, sagte, nachdem die Kinder weggegangen waren: „Ich glaube an keinen Gott, denn es giebt keinen!" Kein Wunder, daß Gott seiner nicht spotten läßt, und daß sich, wie Missionar Klee schreibt, der Horizont über den Juden mit dunklen Wolken bezieht, also die Weissagungen zu erfüllen, welche die Propheten verkündigt haben. Denn daß die gegenwärtigen Verhältnisse, welche Sünde auf Sünde häufen, nicht fortbestehen können, ist für Jeden klar, der einen heiligen Gott kennt, und traurig nur, daß zu viele Christen der jüdischen Ungerechtigkeit mit eigener Ungerechtigkeit begegnen, svdaß man jetzt bereits blutige Verfolgungen der Juden voraussehen muß. Ohne inneren Widerstreit können aber freilich auch die deutschen Juden nicht die Wege des Unglaubens gehen, und immer wieder bezeugt das Evangelium auch an ihren Gewissen noch seine mahnende, strafende Macht. Der Versuch, sich als Stamm allen anderen gegenüber desto fester zusammenzuschließen, und so in sich selbst Halt oder Befriedigung zu finden, führt doch nicht zu innerem Frieden; und dieselbe Predigt, welche ihnen so sehr als Thorheit erscheint, zieht trotzdem Viele immer wieder an, daß sie wenigstens dieselbe hören müssen. Ganz einstimmig bekennen die Missionare, daß sie überall unter den deutschen Juden ihr Zeugniß ablegen durften, und daß man es ihnen nirgends wehrte, die religiösen Fragen den Gemüthern nahe zu bringen. Gewiß werden deshalb die Gleichgültigen noch nicht in Wahrheit nachdenkliche Leute, aber unter das Wort gestellt, werden sie in den Bereich des heiligen Geistes hineingezogen, der schon unzählige Sichere, Kalte und Widerstrebende überwunden hat. Missionar Pick in Straßbnrg kann erzählen, daß sich im Laufe der letzten Monate sieben Glieder seiner Familie in die christliche Kirche haben aufnehmeu lassen, und auf deutschen Stationen find 1879 von Londoner Missionaren 15 Personen getauft worden. Das Neue Testament wird dazu in sehr zahlreichen jüdischen Familien gelesen, und die Missionare sind oft erstaunt, wie bekannt man in