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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 11-12 (1880) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
11-12 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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172 3. Deutschland, gegenwärtig das Land, in welchem die Judcnfrage am Ernstesten behandelt wird, und dies besonders in Folge der durch Hofprediger Stöcker gegebenen Anregungen in eingehenderer Weise. Die Missionare haben dabei eine hohe Aufgabe; sie sollen das Heil der Christen und Juden in gleicher Weise suchen und die Christen einerseits aufsordcrn, dies mit ihnen gemeinsam zu thun, nicht aber etwa zu meinen, daß die schwere Judenfrage durch Judenhaß gelöst werde, andererseits jedoch auch den Juden in das Gewissen reden, damit sie zur Selbsterkenntniß kommen und einmal aufhören, das Verderben der Völker zu wirken, unter denen sie wohnen. Blinde Parteinahme nach irgend einer Seite ist also vom Uebel und verwirrt nur die Gewissen. Einige der Missionare haben auch die Bedeutung der Frage tiefer erkannt. „Schon lange", so schreibt der in Königsberg stationirte, „habe er die Dinge kommen sehen, die nun eingetrofsen sind, und Jahre lang die Juden, die nach der völligen Emancipation strebten, vor dem Gedanken gewarnt, daß mit derselben ihr Heil kommen werde. Die üblen Früchte des langen und verhärteten Unglaubens mußten gerade nach der Emancipation mit aller Klarheit zu Tage treten, und mußten am Allermeisten den Unwillen der besten Christen erregen. War es doch auch nur die natürliche Folge, daß nun die tief verdorbene jüdische Presse ihre arge Feindschaft gegen das Christenthum ohne Scheu offenbarte." Die Aeußerungen dieses Missionars aber stehen nicht vereinzelt da, sondern andere sprechen sich in ganz gleichem Sinne aus. Kein einziger unter ihnen weiß Tröstliches von dem geistlichen Zustande, in dem sich die große Masse der deutschen Juden befindet, zu berichten. „Selbstgerechtigkeit auf der einen Seite, Materialismus und Gleichgültigkeit auf der anderen, machen", so schreibt Missionar Urbschat aus Hamburg, „das jüdische Herz ungeneigt, das Evangelium zu hören. Von über 800 Juden, die besucht wurden, waren, mit Ausnahme sehr weniger, alle gleichgültig." Der älteste aller Judenmissionare, I. C. Hartmann in Breslau, sagt, „der religiöse Zustand der Juden in seinem Distrikt, wie in ganz Deutschland und Oesterreich, werde schlechter und schlechter. Die Juden behaupten, daß ihr Volk der Messias sei, und daß sie nicht zur Strafe für ihre Sünden in der Welt zerstreut seien,

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