Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 11-12 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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171 Unter den Juden selbst hat die Wahrnehmung, daß der religiöse Sinn in ihrer Mitte ungemein schwinde, zu dem Versuch geführt, die talinndischcn Studien zu neuem Leben zu erwecken, aber derselbe ist mißlungen; dagegen währt der Einfluß, den der Talmud auf das ganze Denken und Fühlen der Juden Jahrhunderte lang ausgeübt hat, in diesem inneren Gebiete natürlich weiter fort, nachdem man doch die Bürden und Lasten, welche derselbe dem äußeren Leben aufgelegt hatte, abgeschüttelt hat. Gerade darin besteht ja die verhängnißvollste Bedeutung des Talmud, daß er Geist und Gemüth der Juden für die Aufnahme der einfachen Schriftwahrhcit so ungemein untauglich gemacht hat. Nur der äußere Verkehr mit den Juden wird hier mit dem Zusammenbruch des talmudischen Systems leichter, und, was bisher unerhört war, Amsterdamer Juden baten den Missionar selbst um Traktate. Uebcrhaupt zeigt sich ganz allgemein unter den holländischen Juden größere Willigkeit, das Zeugniß der Mission anzuhören; denn hier nicht minder als in England merkt man es wohl, daß der Mensch doch nicht ohne Religion bleiben kann; und im Suchen nach einer neuen ist man wenigstens geneigt, das christliche Bekenntniß sich sagen zu lassen, wenn man gleich innerlich demselben noch keineswegs bereits irgendwie näher steht. Niemals zuvor also erschienen so viele Juden bei-Missionar Adlers Vorlesungen, und hierbei traten denn öfters einige derselben für ihn gegen ihre Glaubensgenossen auf; ebenso aber waren die Gebetsversammlungen in verschiedenen Städten und Lokalitäten auch von den Juden zahlreich besucht. Gern stellten übrigens die Geistlichen der Reformirten Kirche ihre Kirchen den Missionaren zur Verfügung und ließen sich überhaupt eine Förderung des Werkes angelegen sein — eine Erfahrung, welche die Mission fast in dem gesammten Gebiete der evangelischen Kirche während des letzten Jahres hat machen dürfen. Die Zahl der Proselyten in Holland ist eine ansehnliche, und öfter denn je zuvor vermittelten solche den Verkehr zwischen Missionaren und Juden, eifrig darauf bedacht, so die Sache des Evangeliums unter ihren Brüdern zu fördern. Mit gutem Muthe geht man denn auch hier in dem angefangenen Werke vorwärts, und sieht eine günstigere Zeit für die Judenmission anbrechen. Von ganz besonderer Bedeutung aber bleibt: