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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 9-10 (1880) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
9-10 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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164 Nichts desto weniger tritt selbst aus dem, was Rost mittheilt, wider seinen Willen klar genug hervor, wie wenig die Juden nach Christo von dem Vorwurfe freizusprechen sind, von dem er sie doch zu reinigen versucht. Er selbst berichtet, daß der Landbau und Gewerbebetrieb der Juden durch das Verbot, Sklaven zu erwerben, einen Schlag erlitten habe. Aber warum konnten denn die Juden nicht mit ihren eigenen Händen das Land bestellen oder Gewerbe betreiben? Warum mußten sie hierzu durchaus Andere, Heiden und Christen, besonders aber christliche Sklaven haben? Heiden und Christen haben ja doch beides mit eigenen Händen ausgeübt und haben es gethan, wenn sic auch keine jüdische Sklaven hielten! Christen und Heiden haben die Lust zum Ackerbau und Gewerbe jedessalls nicht verloren, wenn ihnen die Sklaven fehlten! Die Thatsache jedoch, daß die Juden den Ackerbau gewöhnlich ausgäben, wenn sie Andere nicht zu Sklaven machen durften, ist völlig richtig. — Die Erklärung derselben aber wollen wir einem jüdischen Schriftsteller überlassen, welcher die Seinen überall auf Kosten der Christen verherrlicht, vr. I. Bergt sagt in seiner „Geschichte der Ungarischen Juden": „Die Juden liebten nicht die Handarbeit, welche sie als entehrend betrachteten; sie überließen dieselbe den ungeschickten Händen der Sklaven und Frauen." Und erzählt einmal triumphirend: „Die Juden gelangten ohne Schwierigkeit zu Grundbesitz, ohne sich viel durch Handarbeit abmühen zu müssen." Ferner behauptet Rost, daß erst das Christenthum die Juden in ein Kaufmannsvolk umgewandelt habe. Aber derselbe vr. Bergt und Rabbi Dr. Herzfeld in seiner „Handelsgeschichte der Juden des Alterthums" sehn sich zu dem Geständniß genöthigt, daß die zerstreuten Juden überall, wohin sie kamen, bereits in der römischen Zeit ganz überwiegend, ja oft fast ausschließlich, Handel getrieben haben. Ja auch Rost selbst scheut den Selbstwiderspruch nicht und schreibt ganz naiv: „Die Juden (der Zerstreuung) scheinen von jeher hauptsächlich vom Handel gelebt zu haben." Wir sehen also doch, daß ohne jeden Einfluß von Außen her unter den Juden ein Sinn erwachte, welcher sie die wichtigste, einfache und producirende Arbeit verachten ließ; und haben es aus den eigenen Worten eines Mannes wie Bergt gehört, daß sie sich selbst für zu schade, die Anderen dagegen für gut genug zu jener Arbeit betrachteten.

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