Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1880-01-01 · 9-10 (1880) · page 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
9-10 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2554541-2554860-2554866--07478-2563494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

163 daselbst göttliche Ordnungen und Gesetze, welche alle ihre Wurzeln in dem Gebote der Nächstenliebe haben. Nur die Selbstsucht entbindet sich von denselben, um cs dafür aber auch zu erfahren, daß dies schließlich allein zum Schaden derer ausschlägt, welche dies thun. Die körperlichen Zustände der Juden sind hierfür ein besonders lehrreiches Beispiel; und man erkennt aus demselben auch, daß Geld und Wohlleben, welches im Durchschnitt den deutschen Juden viel reichlicher zu Theil wird als den deutschen Christen, Schäden nicht zu heilen vermögen, welche die Mißachtung höherer Gesetze mit sich bringt. Ein Beispiel moderner Vertheidigung der Luden. „Zur Berufsthätigkeit der Juden gegen den Vorwurf ihrer Arbeitsscheu von L. Rost, freiprotest. Pfarrer in Alzey. 1880. Verlag von Jos. Weiß in Alzey. 56 S. 50 Pf." ist uns zur Besprechung übersandt worden, und als eines Zeichens der Zeit wollen wir dieses Buches gedenken. Wie ausnahmslos alle in dem diesmaligen Streit von Christen „für die Juden" verfaßten Schriften ist nämlich auch diese eines freiprotestantischcn Pfarrers, welcher noch dazu das Christenthum seines Inhaltes entleert, eine vollständig parteiische; denn sie verdreht die Thatsachen geradeswegs, wird dafür aber natürlich auch nur das Gegentheil dessen wirken, was sie beabsichtigt. Zwar ist es ganz richtig und wohlgethan, daß man bei den traurigen Versuchen der Judenhasser, alle Schuld an den gegenwärtigen Zuständen der Christen und Juden auf die letzteren abzuwälzen, die eigene Schuld der Christen ernstlich in Erwägung bringt und ihnen in das Gewissen redet. Hätte Rost seine Aufgabe in diesem Sinne erfaßt, dann würde er auch ein ganzes Theil von dem, was er zur Anklage der Christen verwerthet hat, niedergeschrieben haben; aber gar Manches würde fehlen, und Vieles, was wir jetzt vermissen, würde in seiner Schrift zu lesen sein. Denn darin besteht sein Unrecht, daß er die Schuld der Juden vergessen machen will und bei ihnen vertheidigt, was sich schlechterdings nicht vertheidigen läßt. Aber freilich, da er selbst mit dem biblischen Christenthum verfallen ist, streckt er nun den Widersachern Christi seine Hand entgegen, um Bundesgenossen für den Kampf zu gewinnen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.