Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 9-10 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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152 im Auge hatte, schreibt David Cranz in seiner Alten und Neuen Brüder-Historie: „Von andern Orten kamen um diese Zeit (in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts) verschiedene getaufte Juden zur Gemeine, und man hatte Hoffnung, einmal eine Kehille oder Gemeinde aus ihnen zum Segen ihres Volkes zu sehn; man wurde aber gewahr, daß die rechte Stunde ihrer Heimsuchung noch nicht geschlagen habe." Die Zeit, jndcnchristliche Gemeinden zu bilden, ist in der That auch noch nicht gekommen, sondern wird erst cintreten, wenn Israel wieder im Lande seiner Väter wohnt. Luthers Ehefrau vertheidigt die Bekehrung der Juden. An Luthers Tische wurde einmal über den gegenwärtigen Zustand der Inden gesprochen, und gab Luther selbst hierbei fast alle Hoffnung für dieselben auf. „Da", lesen wir, „sagte Einer, ist's doch geschrieben, daß die Inden vor dem jüngsten Tage sollen bekehrt werden! v. M. Luther sprach: Wo steht es geschrieben? Ich weiß keinen gewissen Spruch. Römer 11 bringen sie wohl einen Spruch hcrfür, aber daraus kann man's nicht beweisen. Da sagte sein Weib: Und es wird ein Schafstatt und ein Hirte werden. Ja, sprach der Doktor, liebe Küthe, cs ist allbereits geschehn, da die Heiden zum Evangelium kamen." Seine Frau antwortete nichts, wie es scheint, aber sie wird wohl bei ihrem Spruche verblieben sein. Und ans Luther ist das Wort seiner Frau offenbar nicht ohne Einfluß geblieben, denn wie er in der frühesten Zeit seines Auftretens, in der Predigt zum Stephanstage 1521 den Spruch Römer 11 und viele andre Schriftworte als gewisse Zeugnisse für die endliche Bekehrung Israels anführt, so hat er auch gerade in den letzten Jahren seines Lebens bei der wiederholten Herausgabe jener Predigt 1543 und 1544 an diesem Bekenntniß seiner Hoffnung nichts geändert, sondern erst nach seinem Tode haben Andere die betreffende Stelle in ihr Gcgentheil umgewandelt. Katharina Luther, der Patriarchin aller Pfarrfrauen in der evangelischen Kirche, aber danken wir es, daß sie eine so warme Hoffnung für Israel hegte und ihr selbst vor dem gewaltigen Reformator