Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 9-10 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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die auch Zinzendorf von ihr nicht in jedem Falle zu opfern forderte, gab sie dahin, wenn es sich darum handelte, dem Reiche des HErrn förderlich zu sein; und ihr stand es fest, daß die Leiter der Gemeine hierüber die Einsicht von Christo empfangen hätten. Ihre That war eben deshalb ein Beweis von einem ungemeinen christlichen Seelenadel, und dies um so niehr, als sie, wie „ihr Erschrecken" deutlich genug zeigt, zunächst einen Kampf mit ihrer Natur hinsichtlich der neuen Ehe zu bestehen hatte. Ani 6. Januar 1746 fand nun die Trauung statt, bei welcher ihr Zinzendorf den Namen Ester beilegte, um ihren juden-christlichen Charakter recht hervorzuheben; mit dem Namen Ester lebt sie denn auch weiter fort, wird aber gewöhnlich nicht als Ester Kirchhof, sondern als Ester Griinbeck angeführt. Die Trauung sollte nach dem Wunsche des Grafen ein möglichst national-jüdisches Gepräge tragen. Das Herrnhagener Diarium beschreibt dieselbe so: „Der Jude David Kirchhof wurde heute mit der Ester Grünbeck getraut. Zuerst wurde die Kirchcnlitanei gebetet, lieber den Worten: „Den Stamm Juda und ihre Erstlinge unter uns segne!" traten David und Ester in der Gemeinde hervor und setzten sich auf zwei Stühle, die dem Grasen Zinzendorf gegenübergestcllt waren. Ihnen gegenüber war an der Wand ein hebräisches, illuminirtes T, das Tola (der Gekreuzigte) bedeutet, angebracht. Es wurde eine schöne, hebräische Musik gemacht; dann las ihnen Br. Samuel Lieberkühn etwas Hebräisches vor, und darauf wurde ein Lied gesungen. Dann traute sich David Kirchhof nach hebräischem Gebrauch selbst mit Ester, Lieberkühn sprach in hebräischer Sprache den Segen, und die Gemeinde sagte: Amen." Die anwesende Gemeinde war von der Feier recht ergriffen. Später besuchte Frau Kirchhof auch England, wo sie besonders von der Prinzessin von Wales, einer geborenen Prinzeß Gotha, deren Jugendgespielin sie gewesen war, sehr freundlich empfangen wurde. In ihren neuen Gang aber wollten sich Biele nicht finden• doch tröstete sie sich damit, „daß es dem Judenvolke überall so beschieden ist". 1752 wurde ihr ein Sohn, Josua Jacob, geboren, später ein anderer, Samuel; die alttestamentlichen Namen wurden mit Fleiß erwählt. 1756 starb bereits ihr Samuel. In Aemtern der Gemeine vielfach thätig, hielt sie sich dann während der Wirksamkeit ihres Mannes in Polen von 1757 —1759