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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 9-10 (1880) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
9-10 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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148 Allmählich wurde nun aber auch, nachdem sie ein Gemeinmitglied geworden war, das Verlangen in ihr lebhafter, an einem Gemeinorte zu wohnen; ihr Mann konnte sich jedoch zunächst dazu nicht entschließen. Einen Ersatz bot ihr indeß die brüdergemeinliche Gemeinschaft in Gotha, an welche sie sich eng anschloß. 1741 wurde sie dann als Aeltcstin zur Pilgergemeindc berufen, und nun war auch ihr Mann damit einverstanden, daß sie Gotha verließen. ans der Reise verstarb jedoch derselbe. So Wittwe geworden, war sie nun ganz für das Gemeinwerk frei. Sie begleitete deshalb auch die Gräfin Zinzendorf nach Lifland und Petersburg, von wo sie erst 1744 nach Marienborn zurückkehrte und hier das Amt einer Wittwenpflegcrin übernahm. Ihr ganzes Wesen zog jedoch wieder manchen Mann ungemein an, und sie erhielt mehrere Anträge, welche sie aber sämmtlich ablchnte; denn sie wollte, so weit cs von ihr abhing, fortan ausschließlich der Gemeine dienen. Graf Zinzendorf hatte jedoch andere Gedanken mit ihr. Ihm machte Israels Heil große Sorge, und er hoffte durch treffliche Christen aus diesem Volke demselben das Evangelium näher bringen zu können. 1745 erinnerte er also die Verwittwete aus einem Spaziergange in Marienborn an die Judensache, und wie sehr ihr dieselbe schon in ihrer Gothaer Zeit am Herzen gelegen habe. Seine Rede aber schloß mit der Frage, ob sie sich wohl entschließen könne, um ihres Volkes willen einen geborenen Juden zu heirathen. Sie erschrak über diese Zumuthung anfangs, faßte sich jedoch bald und antwortete: „Ich habe mich nun einmal der Gemeine als Kind übergeben, sie soll nur meine künftige Bestimmung mit dem Heilande ausmachen, und darf ich dann weiter nicht fragen!" Zinzendorf ließ es zunächst hieran genug sein, aber nicht, weil es etwa nur ein augenblicklicher Gedanke gewesen war, den er wieder fallen ließ, sondern er wollte offenbar nur, daß sich Frau Grünbeck innerlich mit der an sie gerichteten Frage weiter beschäftige. Denn wiederholt wurde die gleiche Anfrage an sie gerichtet, und stets darauf dieselbe Antwort gegeben. Da schlug ihr Zinzendorf endlich vor, den Proselyten B. D. Kirchhof zu . heirathen, und Frau Grünbeck willigte hierzu ein; denn ihr war es ein völliger Ernst damit, mit ihrem ganzen Leben der Gemeinde Christi zu dienen, und alle persönlichen Neigungen opferte sie unbedingt diesem einen Zwecke. Ihre Freiheit,

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