Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1880-01-01 · 9-10 (1880) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
9-10 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554860-2554866--07462-2563478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

147 Ende desselben Jahres machte sie auch mit dem Stifter der Gemeine, dem Grafen Zinzendorf, bei einer nochmaligen Durchreise desselben Bekanntschaft. Auf Veranlassung von Anna Nitschiuann sammelte sie jetzt viele weibliche Personen zu gemeinschaftlicher Erbauung um sich, und ihre lautere Frömmigkeit übte auf viele derselben einen so entscheidenden Einfluß aus, daß ein neues geistliches Leben bei ihnen begann. Nunmehr war sie völlig entschlossen, soviel in ihren Kräften stand und ihre übrigen Pflichten es ihr erlaubten, an der Förderung der jungen Brüdergemeine mitzuarbeitcn. Ihr Mann ging hierauf willig ein und gestattete ihr große Freiheit in dem Beruf, zu dem sie sich innerlichst getrieben fühlte; denn ihr selbst war es offenbar gewiß geworden, daß sie hier eine besondere Aufgabe zu erfüllen habe. Nach Zinzendorf's Meinung war sie auch bereits seit 1738, wo er einmal segnende Hände auf sie legte, Mitglied der Gemeine, sie selbst hatte ihn hierin aber noch nicht verstanden. Erst als sie unter Gutheißung ihres Mannes nach Jena gereist war und daselbst den Sohn des Grafen, Christian Renatus, kennen gelernt hatte, bat sie den alten Grafen direkt um Aufnahme in die Gemeine, die er ihr sofort gewährte und sie sogar zugleich zu einer Aeltestin der Schwestern einsegnete. Als sic hiernach aber mit ihrem Manne eine Reise nach Marienboru, einem damals besonders bekannten Sitz der Brüdergemeine in der Wetterau, machte, erregte dies bei dem Kirchenrath in Gotha Anstoß. Derselbe betrachtete sie als eine Sektirerin, zog sie zur Verantwortung vor sich und machte ihr wegen ihrer Zugehörigkeit zur Gemeine ernstliche Vorwürfe; sie war aber ihrer Sache gewiß und ließ sich durch dieses Vorgehn nicht einschüchtern. Während dieser Zeit las sie einmal in der Offenbarung Johannis. Ihr fiel das siebente Kapitel auf, welches von den 144 000 Versiegelten aus allen Stämmen Israels in der Zeit des Endes redet, und der Wunsch erwachte darüber in ihr, auch dem jüdischen Volke anzugehören. Das theilte sie ihrer Mutter mit, und bei dieser Gelegenheit erfuhr sie zum ersten Male, daß ihr Vater ein geborener Jude, sie selbst also jüdischen Ursprungs sei. Die Nachricht bewegte sie zu Freudenthränen, und weinend fiel sie darüber ihrem Vater um den Hals. Von diesem Tage an lag ihr das Volk, von welchem auch unser HErr stammt, besonders am Herzen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.