Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 9-10 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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144 seinen Bemühungen unter den durch Frank, der eine Art falscher Messias war, zu Fragen über das Christenthum veranlaßten Juden Näheres mitgctheilt. Bis an die türkische Grenze wanderte damals Kirchhof und bezeugte den Juden Jesum Christum als ihren alleinigen Heiland und Versühner. Von seinen letzten Lebenslagen wird erzählt: „Zuletzt las er viel in den Gemeinschriften und Nachrichten und in der Bibel, welche er oftmals durchgelesen hat. Wenn er nicht in die Versammlung gehen konnte, hielt er zu Hause Liturgie oder las eine Rede Zinzendorss. Freitags, am Kreuzigungstage, vergoß er oft über dem Liede: „O Haupt voll Blut und Wunden" viele Thränen und sagte: „Das ist mein liebstes Lied, man soll mir bei meinem Begräbniß daraus singen!" Den Sabbath hielt er sehr pünktlich, seine Frau fand ihn oft auf den Knieen sein Herz vor Gott ausschütten. Seine unruhige Gemüthsart, das alte jüdische Naturerbe, war wohl für Andere, die mit ihm umzugehn hatten, beschwerlich, aber der HErr brachte ihn stets bald zur Reue und zur Erkenntniß seiner Abweichung. Zehn Wochen lang lag er an einem auszehrenden Fieber unter vielen Schmerzen danieder, und oft vergingen ihm die Sinne; aber wenn man ihm von dem Heiland etwas vorsagte oder Verse vorbetete, kam er wieder zu sich; in seinen Phantasieen redete er viel mit seinem Heilande. Einige Tage vor seinem Tode hielt er sich selbst eine Sterbeliturgie und sang viele Verse mit lauter Stimme; man verstand aber nicht viel davon als den Vers: O ich freu' mich. Daß ich bleibe An dem Leibe Meiner Liebe Eine lebendige Rippe. Er freute sich über den Besuch der Brüder und bat um baldige Auflösung. Den 3. März 1784 starb er sanft im 68. Jahre seines Alters. — In seiner 38 jährigen Ehe ist er mit zwei Söhnen gesegnet worden, deren einer früh gestorben, der andere lebte in Gnadenfeld (Ober-Schlesien)." Wir aber meinen, daß es doch ein gar großes Ding ist, wenn ein Leben, das, so lange es im Judenthum geführt wurde, nur das Bild der Hast und der ruhelosesten Unbefriedigung darbot.