Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 9-10 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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140 ihm, den er zum Grafen Balthasar Proinnitz nach Drehme sandte, später begab er sich auch selbst au den nämlichen Ort. Eines Tages nun erzählte ihm sein Verwandter: „Ich war zu Hause Bräutigam und sehr krank. Da erschien nur Jesus im Traume und sagte mir: Wenn du nicht an mich glaubst, gehst du verloren! Ich schrie darauf mit lauter Stimme: Jesu, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner, denn ich bin verloren! Das hörte aber mein Vater, und in entsetzlichem Zorne wollte er mich mit einem Schcermesser umbringen. Aber da es am Tage war, und gerade mehrere Juden anwesend, hielten ihn dieselben zurück, ihm vorhaltend, daß, wenn er mich umbrächte, er mit ihnen allen verjagt werden würde. Die Juden riethcu meinem Vater, mich liegen zu lassen, denn ein böser Geist sei über mich gekommen; wenn ich gesund geworden wäre, würden sic mich wcgschafsen. Ich selbst aber beschloß, sobald ich gesund geworden wäre, die Heimath zu verlassen, und bin daher von Hause fortgegangen." Diese Erzählung erregte Benjamin, er rieth hin und her, ob das wahr sei, was ihm der Vetter erzählt hatte, und wurde in seinem Herzen unruhig; den Entschluß, sich taufen zu lassen, faßte er dagegen nicht, da er sich an dem ärgerlichen Leben vieler Christen stieß. 1731 aber beredete er seinen Vetter, mit ihm ans der Inden Ostern zu reisen. Beide wandelten also gemeinschaftlich und besuchten auch die Synagoge am ersten Feiertage. Weil aber der Vetter etwas von seinen Religionszweifeln merken ließ, beschlossen die Juden, denselben auszuschlicßen, während sie Benjamin, an dem sie nichts Verdächtiges wahrnahmen, unbehelligt ließen. Nach Ostern kehrten Beide wieder an die Stätte ihrer Arbeit zurück. Der Vetter aber kam in Folge des feindseligen Verhaltens der Juden gegen ihn zu dem Entschlüsse, sich taufen zu lassen, meldete sich bei dem General-Superintendenten in Lübben, wurde unterrichtet und in die christliche Kirche ausgenommen. Benjamin war mit diesem Schritte seines Verwandte» nicht einverstanden, fühlte sich innerlich aber sehr erregt und mit seinem eigenen Zustande keineswegs zufrieden. Um den trüben Gedanken zu entfliehn und in Verhältnisse zu kommen, die eine volle Anspannung für ihn mit sich brächten, beschloß er also, Soldat zu werden und mit den Sachsen gegen die Türken nach Ungarn zu