Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 9-10 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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138 beiden konnten sie nicht zu dem Verständnisse eines Sünderheilandes gelangen, wurde ihre große Masse ganz unfähig, die Gnade zu begehren, und blieb der Predigt von derselben kalt und hart gegenüber. Zinzendorf hat daher ganz Recht, wenn er darauf hindeutct, daß die Fügungen Gottes es erst den Juden zu erfahren geben müssen, wie ihr Gcldsinn ihr schlimmster Feind sei, che eine Umkehr des Volkes zu erwarten steht. Und cs gehört zu den besonderen Zeichen unserer Zeit, daß dieselbe auf der einen Seite den Juden eine größere Befriedigung ihres Geldsinnes als jede frühere bietet, auf der anderen Seite aber darüber auch die Gefahren in der ganzen Welt für sic stetig steigert. Die Möglichkeit ihrer Bekehrung tritt in denk Maße näher, als das Gericht näher herbeikommt, dem sie ohne Christum immer sichtlicher entgegengehen. Denn erst dann werden sic es sehen, wer ihr rechter Freund ist, wenn die Freunde, deren Ruhm sie jetzt so laut verkündigen: Ehre, Geld und Wohlleben, lauter Verderben über sie gebracht haben werden. Soviel von Zinzendorf. Wir wenden uns jetzt einem Ehepaare aus jener früheren Zeit der Brüdergcmeine zu, dessen Andeuke» in ihr und theilweise auch in weiteren Kreisen noch fortlebt: B. D. Kirchhof und dessen Ehefrau. 2. Benjamin David Kirchhof. 1716—1784. Der Lebenslauf des eben Genannten und seiner Ehefrau, beide in der Hauptsache von ihnen selbst verfaßt, sind uns aus dem Archiv der Brüdergemeine durch Herrn P. Glitsch gütigst zur Benutzung überlassen worden. Wir theileu aus denselben Folgendes mit: Benjamin David Kirchhof wurde 1716 den 20. März in Polen zu Kuuzpolie geboren. Als er 5 Jahr alt war, zogen seine Eltern nach Petrikau, wo sich ein Tribunal befand. Mit 14 Jahren sollte er nach polnisch-jüdischer Unsitte heirathen, hatte aber hierzu keine Lust und verließ deshalb seine Vaterstadt heimlich, ließ sich dann in einer anderen Stadt Polens nieder und unterrichtete hier Kinder jüdischer Familien. Im 15. Jahre aber begab er sich von Neuem auf Reisen und kam nach Danzig, wo er bei einem Juden die Kaufmannschaft erlernte. Doch der Wandertrieb war einmal erwacht; nur ein Jahr duldete es ihn also in Danzig, dann verließ er dasselbe und wandte sich nach Podolien, wurde