Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 9-10 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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137 Recht, daß die Zeit der Bekehrung des jüdischen Volkes selbst noch nicht gekommen ist, da dieselbe erst geschehen wird, wenn die Fülle der Heiden eingegangen sein wird (Römer 11, 35). Er hat sich also nicht durch die falsche Hoffliung auf sofortige große Erfolge zum Zeugniß an die Juden bewegen lassen, sondern ist in aller Nüchternheit damit zufrieden gewesen, daß er eben die Gnade in Christo auch Inden verkündigen durfte. Aber welch' eine Predigt mußte er auch selbst den Israeliten sein, wenn sic sahen, daß er ans freien Stücken alle Speise vermied, welche das Alte Testament ihnen verboten hatte, oder daß er den Sounabend ruhte, der einmal für die erste Gemeinde Gottes, für die des Alte» Bundes, der Feiertag nach Gottes Stiftung gewesen war! Er machte sich keinen Ruhm und keine Gerechtigkeit aus dem allen; aber cs zeigte ihnen, daß er auch solche Schranken sich ziehen konnte, und daß er als Christ darüber doch weder zum Hochmuth noch zu jener Unfreiheit geführt wurde, die bei ihnen so schmerzlich zu Tage traten. An ihni mußten sie cs erkennen, daß nicht die Trägheit oder Weichlichkeit das Joch des Gesetzes im Neuen Bunde abgeschüttelt hat, sondern man mit Christo vielmehr Alles vermag: sowohl jüdisch als nichtjüdisch zu leben, und dabei in gleicher Weise den vollen, seligen Frieden der Kindschaft Gottes haben. Er stellte sich vor ihren Angen unter das Gesetz Mosis, und stand doch über demselben! Er ward ihnen ein Gleichniß seines Heilandes, der in voller Freiheit das Gesetz auf sich nahm, aber dasselbe doch so unendlich überragte. Wie Zinzendorf auf solche Weise die Juden daran erinnerte, daß sie um ihres Hochmuthes willen sich das Gesetz statt zu einem Mittel, den Gnadenrath Gottes verstehen zu lernen, zu einem Hindernisse an der rechten Gemeinschaft mit ihm hatten werden lassen, so erkannte er aber auch nicht minder, daß die zweite Scheidewand zwischen ihnen und dem Heilande ihre Geldliebe war. Schon der Apostel Jakobus weist in seinem Briefe an die zwölf Geschlechter hin und her auf diesen Schaden hin. Thatsächlich hat sich auch der Mammonsdienst als eins der schlimmsten Bollwerke gegen das Evangelium in den Herzen der Juden erwiesen. Neben der entsetzlichsten Hoffahrt, welche jemals in Menschenherzen Wohnung gemacht hat, verwehrte in ihnen besonders das Dichten und Trachten nach Gewinn Christo den Eingang. Ueber diesen io*