Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 7-8 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1S2 benen sieben Trauertage (wie um einen Gestorbenen) halten und mich von jedem Anthcil an seiner Hinterlassenschaft ausschließen.. Daß ich schon drei volle Jahre im ungetrübten Genüsse des Friedens Jesu verblieben, war aber überhaupt mehr, als der Seelenseind ruhig ertragen konnte. Meine Lage in Gothenburg war nicht nur eine fast ganz unabhängige, sondern in vieler Beziehung auch sehr angenehme und gesellige gewesen; wie ganz anders war das hier! Jeder Umgang, jede Freundschaft nur aus das Chorhaus und Geschäftslokal beschränkt, vom Sonnenaufgang bis zum Niedergang galt es hart und schwer zu arbeiten; da fühlte ich unter so bedeutend veränderten Umständen die Eigenliebe gekränkt, Heimweh stellte sich ein, im Grunde nur das Verlangen nach den Fleischtöpfen Egyptens; ich gerieth vom schmalen Pfade der Einfalt unvermerkt auf Seitenwege. Glücklicher Weise wurde mir meine Untreue vom Geiste Gottes bald gerügt, ich erschrak, als ich einen Blick in mein erkaltetes Herz that; Rückfall wird zur schtveren Last! dies mußte ich nun inne werden. Ich war sehr zerknirscht, ohne Frieden, ohne Trost. Ich wollte beten, aber der Feind sagte: „Jetzt nicht! heute Abend, morgen früh!" Von Angst und Unruhe gequält, suchte ich die Einsamkeit so oft, wie nur immer möglich. Eines Abends ging ich in den Busch, bis ich, getrieben von meiner Trostlosigkeit, auf die öde Haide gerieth; inzwischen war es finster geworden, wodurch ich zur Rückkehr gemahnt wurde. Meine Angst und Noth stieg mit jedem Schritt. In diesen qualvollen Augenblicken wollte ich gleichsam einen letzten Versuch machen und zum Heiland um Gnade schreien. Ich war bereits in die große Allee eingetreten, welche zum Orte führt, und hier hob ich Herz, Augen und Hände himmelwärts, und siehe! da erblickte ich plötzlich im Dunkel zwischen den hohen, dichtbelaubten Baumwipfeln einen hell leuchtenden Stern, und augenblicklich fiel ein Strahl göttlichen Trostes in meine umnachtete Seele. Eilenden Schrittes ging ich nun nach Hause und zur Ruhe. Mein Herz war erweicht, Thränen der Reue und des Dankes flössen in. Strömen, ich mußte mein Schluchzen unterdrücken, um die Brüder nicht zu wecken, denn es war bereits Mitternacht. Mir war unbeschreiblich wohl, ich hatte Gnade und Vergebung gefunden; getröstet schlief ich ein. Bereits in Gothenburg hatte ich mich mit Erlernung der englischen Sprache bemüht; dies hatte ich hier fortgesetzt in der