Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 7-8 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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116 meiden. Meine Unruhe wuchs aber mit jedem Tage und trieb mich wider Willen nach acht Wochen abermals an einem Freitag- Abend zu ihm hin. Wie erstaunte ich indeß, als mein Freund aus meinen zweideutigen Reden sogleich errieth, was mich quäle, und unumwunden erklärte: es würde nur zu meinem Verderben führen, wenn ich die in meiner Seele angeregten Wirkungen Gottes absichtlich unterdrücken wollte, vielmehr möchte ich der göttlichen Mahnung, Aufklärung in einer Sache zu suchen, welche zu meiner Seelen Seligkeit gehörte, willig folgen. Was den Einwand betreffe, daß ich durch das Lesen des Neuen Testamentes an meinem Glauben irre werden könnte, so sei ja bei meiner Festigkeit in demselben solche Gefahr nicht zu befürchten; wenn aber das Neue Testament wirklich die von mir so eifrig gesuchte Wahrheit enthalte, so müßte es mir doch äußerst wünschenswerth sein, dieselbe zu finden. Diese Gründe waren allzutreffend, als daß ich mich denselben hätte widersetzen können. Ich entschloß mich daher, das Neue Testament zu lesen, zuvor aber wollte ich noch meine eigene Religion näher prüfen, weshalb ich die mir bis jetzt noch unbekannten Theile des Alten Testamentes in de Mettes Uebersetznng fleißig zu lesen anfing. Durch eine kleine Schrift über die Erfolge des Evangelii unter den Heiden, welche mir von meiner Wirthin zum Lesen gereicht wurde, erhielt ich damals die erste Kunde von der werkthätigen Liebe der Gläubigen und der uneigennützigen Hingabe der Missionare, um Seelen, welche noch in Finsterniß und Schatten des Todes sitzen, mit dem Lichte des göttlichen Wortes bekanntzumachen, was nicht nur meine Bewunderung erregte, sondern auch den Wunsch in mir erweckte, dereinst selbst an einem solchen Liebeswerk theilnehmen zu können. Seit längerer Zeit war bereits eine Herzensänderung in mir geweckt worden, allein zu dem Entschluß, derselben durch die heilige Taufe das Siegel aufdrücken zu lassen, schien es noch immer nicht kommen zu wollen; indessen fühlte ich mich im Laufe der zwei letzten Jahre durch verschiedene Ereignisse zu jenem wichtigen Ziele immer mehr hingedrängt, bis endlich alle Furcht und aller Kleinglaube überwunden war, und ich mit Freuden und bedingungslos mich in die offenen Arme der erbarmenden Liebe werfen konnte. Zu Anfang deö Jahres 1822 machte mir Br. Bergmann die