Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 7-8 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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115 auf mein ganzes künftiges Leben übte die Bekanntschaft aus, welche ich ein Jahr früher mit dem Bruder Peter Lorenz Bergmann gemacht hatte. Bruder Bergmann war damals Lehrer an der Freimaurerschule, gab aber zugleich Privatunterricht, welch letzterer Umstand die Veranlassung zu unsrer Bekanntschaft ward. Immer tiefer wurde ich ergriffen von dem Inhalt des Pentateuchs (der fünf Bücher Mosis), immer mehr er der Gegenstand meines ernsten Nachdenkens, und ich empfand das Bedürfniß, über verschiedene, mir unklar gebliebene Stellen zuverlässige Belehrung zu erhalten. Zu dem Ende wandte ich mich an meinen Freund Bergmann, den ich bereits herzlich lieb gewonnen hatte und den ich jeden Freitag Abend, nachdem der Sabbath angegangen war, zu besuchen pflegte, da ich an diesem Abend, besonders im Winter, das Comptoir früher verließ. Während eines solchen Abendbesuches geschah es, daß ich, meine eigentliche Absicht verbergend, das Gespräch auf religiöse Gegenstände zu lenken suchte; mein Freund, um meine irrigen Begriffe vom Christenthum zu widerlegen, sah sich im Laufe des Gesprächs zu ausführlicher Auseinandersetzung gedrungen. Ich versuchte zwar, meinen Freund zu widerlegen, aber ohne rechten Ernst; denn obgleich ich in allen Satzungen des pharisäischen Judenthums erzogen war, weshalb das Christenthum auch mir bald eine Thorheit, bald ein Aergerniß war, so empfand ich dennoch nicht jenen bitter« Haß, welcher die angeborene Neigung des jüdischen Herzens ist, weil im verborgensten Grunde meiner Seele bisweilen eine Stimme laut wurde, welche mahnte: Verdamme nicht, es kann trotz aller scheinbaren Unmöglichkeit am Ende doch etwas Wahres im Christenthum sein! Von ungefähr kam mir Stillings Leben in die Hände. Ueber seine willenlose Hingabe in die Hand Gottes, so wie über die Fürsorge des himmlischen Vaters, welche in seinen Lebenserfahrungen besonders hervortritt, war ich höchst betroffen, da dies alles von meinen bisherigen Begriffen so verschieden war. Auf dem Lesen dieses Buches ruhte ein besonderer Segen; denn ehe ich dasselbe beendet hatte, war schon eine wesentliche Veränderung in mir vorgegangen. Ich fing an, für die Echtheit der Religion meiner Väter zu zagen, weshalb ich den Entschluß faßte, die Besuche bei Br. Bergmann und jede geistliche Unterredung mit ihm sorgfältig zu