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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 7-8 (1880) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
7-8 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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114 selbst im strengsten Winter schlief ich nur unter einer dünnen Decke und begnügte mich, nachdem ich dem guten Tisch meines Prinzipals freiwillig entsagt hatte, mit Brot, Butter und Milch als täglicher Kost. Durch diese sonderbare Lebensweise, welche ich drei Jahre fortsctzte, zog ich mir bei Bekannten und Freunden nicht ohne Grund den Namen eines Sonderlings zu. So verworren und zerrüttet sah es in meiner armen Seele aus, als ich im Jahre 1820 zum vierten Mal meine Stellung wechselte und (wie schon erwähnt wurde) in das Bankgeschäft eintrat. Nun erschloß sich mir eine ganz neue Welt. Der Banquier und seine Gemahlin waren fein gebildete Leute; i» ihrem Hause herrschte ein vornehmer und zugleich sehr geselliger Ton. Ausländische und inländische Berühmtheiten gingen hier ein und aus. An Gastmählern, Musik und Tanz fehlte es auch nicht. Zu den Sonntags-Soireen durfte ich mich mit den übrigen Comptoiristen ein für allemal als eingeladeu betrachten. Außerdem war den Schillerschen Schauspielen wöchentlich ein Abend gewidmet, bei welcher Gelegenheit die Rollen unter die Anwesenden vertheilt wurden, um deklamatorisch vorgelesen zu werden. Dennoch, zum Lobe und Preise des HErrn sei es gesagt, entstand gerade zu jener Zeit in mir der Wunsch, auch das heilige Buch der Väter kennen zu lernen. Ich verschaffte mir die fünf Bücher Mosis in hebräischer Sprache mit Mendelssohns jüdischdeutscher Uebersetzung. Alle bis dahin gehegten Zweifel au der Göttlichkeit der heiligen Schrift waren plötzlich verschwunden; zugleich wurde ich überrascht von dem Unterschied zwischen dem Judenthum der Schrift und dem Judenthum, in welchem ich lebte. In dieser Zeit bezog ich ein neues Logis bei einer älteren Wittwe; diese und ihre einzige Tochter lernte ich bald als erweckte Christen kennen; besonders befremdend war mir dies bei der Letzteren. Sie liebte die Bibel und las fleißig in derselben; Bälle, Schauspiele und große Gesellschaften wurden sorgfältig vermieden. Noch nie hatte ich etwas der Art bei einer jungen Dame bemerkt. Der Wandel dieser beiden Personen, welche ich während meines dreijährigen Wohnens bei ihnen hinlänglich zu beobachten Gelegenheit fand, mußte dazu dienen, mir die erste vortheilhafte Anschauung vom Christenthum beizubringen. Einen noch viel größeren Einfluß auf Herz und Verstand, ja

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