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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 7-8 (1880) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
7-8 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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118 gehalten in einem kleinen, stets ungeheizte» Kämmerlein neben dem Laden, ohne allen Umgang, und von meinem Prinzipal, der fast täglich berauscht war, hart und roh behandelt, glaubte ich die strafende Hand Gottes zu erkennen; denn ich hatte schon seit einiger Zeit angefangen, über verschiedene unnütze Dinge zu grübeln, auch war ich nach und nach laß geworden in der Beobachtung des Gesetzes. Ich bekannte aber nun unter heißen Thränen während mancher schlaflosen Nacht mit reuigern Sinn meine Sünden und flehte um Vergebung und um Errettung aus meiner Noth. Noch iu demselben Jahr, nachdem auch dieser Prinzipal fallirt hatte, trat ich meine dritte Stelle, als Comptoirgehilfe, in einem bedeutenden Handels- und Fabrikgeschäst an, wozu mir mein Bruder, welcher in demselben schon eine Reihe von Jahren gedient, verholfeu hatte. Hier herrschte große Geschäftsthätigkeit, ich hatte vollauf zu thuu, die unnützen Phantasieen vergingen bald, und ich wurde wieder froh und heiter im Gemüth. Als mir später eine vorthcilhafte Stelle in einem Bankhause angetragen ward, nahm ich diese an. Ich war noch nicht lange iu Gothenburg gewesen und in Berührung mit gebildeten Leuten gekommen, als ich meiner Unwissenhcit schmerzlich inne ward. Um diesem Uebelstand in etwas abzuhelfcu, bemühte ich mich, durch Lektüre einige Kenntnisse zu erwerben. Dazu kam mir eine kleine Bibliothek, welche ich auf dem Comptoir jenes Fabrikgeschäftes vorfand, sehr zu statten. Nachdem ich bis zu meinem 14. Jahre kaum ein einziges Buch außer denen, welche zur Schule gehörten, gelesen hatte, verschlang ich nun mit unwiderstehlicher Begier alles, was mir in die Hände kam; die Werke von Schiller, Göthe, Boß, Wieland, Novalis, der beiden Schlegel nud ein Theil der übrigen großen Schaar deutscher Schriftsteller wurden nun ohne Plan und Auswahl der Reihe nach, wie sic im Schrank standen, durchgelesen. — Auch die Lebensbeschreibungen heroischer Männer und Philosophen gewann ich lieb, und ich bekam allmählich eine besondere Vorliebe für die Grundsätze der Stoiker; Diogenes in der Tonne war mein Ideal. Alles entbehren. Allem entsagen zu können, Alles allein in mir selbst zu finden und die Welt zu verachten, das war zu jener Zeit der Grundton meiner Seele. Ich entsagte jeder Bequemlichkeit, mein Lager war ein hartes Sopha, ein Stuhlsitz mein Kopfkissen;

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