Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 7-8 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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112 die öffentliche Schule geschickt. Unter den 100 bis 130 Schülern meiner Klasse wurde ich ganz vernachlässigt, und da mir der eigene Trieb zum Lernen abging, so konnte ich unter solchen Umständen nur geringe Fortschritte machen. Meinen letzten Schulunterricht erhielt ich nun bei einem christlichen Prediger, welcher denselben mit vieler Treue und Sorgfalt nach evangelischen Prinzipien crtheilte, weshalb ich denn auch allein diesem lieben Manne das Wenige zu danken habe, was ich während meiner Schulzeit gelernt habe. Als ich im Jahre 1811 mein dreizehntes Jahr zurückgelegt hatte, welches nach jüdischem Gebrauch das der Mündigkeit ist, war denn auch für mich die Zeit gekommen, wo diese, und gleichzeitig mit ihr die Einverleibung in die Synagoge, durch einen öffentlichen Akt bestätigt wurde. Jüdische Eltern sind nicht gehalten, für ihre Söhne länger als bis zu ihrer Mündigkeit zu sorgen. Mein Vater, den talmudischen Satzungen stets getreu, hatte bereits zwei meiner Brüder in diesem Alter entlassen; jetzt war die Reihe an mir, dem elterlichen Hause Lebewohl zu sagen und in die Fremde zu ziehen. Während mein Vater sich in Geschäftsangelegenheiten in Gotheuburg aufhielt, war es ihm gelungen, mir eine Stelle in einer Detailhandlung zu verschaffen, in die ich sogleich cintreten konnte; und am 17. August 1812 langte ich wohlbehalten in Gothenburg an. 2. Aie Wekehrung. In Gothenburg hatte ich die Freude, einen meiner Brüder anzutreffen, was mir, besonders in der ersten Zeit, sehr zu statten kam. Bei meinem ersten Prinzipal war ich mir größtentheils selbst überlassen; denn er bekümmerte sich weder um mich, noch um sein Geschäft; nach einem halben Jahre war er bankerott. Ich war froh, sogleich eine andere Anstellung zu finden, allein meine Freude war von kurzer Dauer; denn nun war ich in eine drückende Stellung gerathen. Während des strengen Winters im Jahre 1814 litt ich in dem offenen Laden eines zugigen Eckhauses dermaßen an offenen Frostwunden an Händen und Füßen, daß ich den ganzen Winter hindurch die Stube hüten mußte. In dieser traurigen Lage, fest-