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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 7-8 (1880) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
7-8 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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110 heben. So war ich init dein Leben und (mit Ausnahme einer geringen Verletzung am Knie) unbeschädigt davongekommen. Etwa im 12. Jahr meines Alters fügte der HErr es so, daß ich zufälligerweise Zeuge einer jammervollen Scene sein mußte, welche aber nach seinem wunderbaren Rathschluß dazu dienen sollte, meinem Herzen die allererste Kunde von dem beseligenden Namen Jesu zu bringen. Als ich nämlich eines Tages mit meinem Vater auf der Straße war, wurden wir von einem Trupp Stadtsoldaten überholt, welche einen berüchtigten Verbrecher nach dem Richtplatz führten. Mein Vater entschloß sich, der Exekution beizuwohncn. Am dazu bestimmten Platze wurde der arme Mensch mit geschlossenen Händen an einem Pfahl fast bis zu schwebender Stellung heraufgezogen, um 40 Rutheuhiebe auf den entblößten Stücken zu empfangen. Bei jedem dieser Hiebe, welche ihm in abgemessenen Zwischenräumen mit furchtbarer Strenge zugezählt wurden, hörte man den zuckenden Delinquenten mit lauter Stimme wiederholt aufschreien: „Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!" Ich war durch diese Scene tief erschüttert, konnte aber durchaus nicht begreifen, was der Hülferuf des linglücklichen bedeuten solle. Ich verstand nicht, was er mit „Jesus, dem Sohne Davids" meine, und noch weniger, warum der Leidende diesen um Hilfe und Erbarmen aurief; doch empfand ich dabei etwas wie eine leise Ucberzeugung, daß ein mit solch lebendiger Zuversicht in Augenblicken der größten Angst und der heftigsten Schmerzen ausgestoßener Hilferuf unmöglich ganz grundlos sein könne. Als ich nun aufblickte nach meinem Vater, um zu sehen, welchen Eindruck diese Jammerscene auf diesen mache, hörte ich ihn mit spöttischem Tone irgend etwas vor sich hinmurmel». Er war zwar keineswegs ein harter, unempfindlicher Mann, aber der Haß, mit welchem die Juden den Heiland, oder nach ihrer Ausdrucksweise „den Erhenkten" hassen, ist der Seele so tief eingewurzelt, daß die bloße Nennung des Namens sie mit Ingrimm erfüllen kann. Mir blieb indessen der Schmerzensschrei: „Jesu, du Sohn Davids!" lebenslänglich im Herzen unaustilgbar, weshalb ich, so oft ich mich dieses merkwürdigen Auftritts erinnere, stets geneigt bin, mich zu fragen, ob dies nicht etwa die erste leise Spur des Zuges vom Vater z«m Sohne gewesen sein dürfte? Außerdem gab es noch einige andere Gelegenheiten, durch die

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