Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 7-8 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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105 kehrt. Mein theurer Herr Flad, solche und ähnliche Erfahrungen machen wir im Dienste unseres HErrn, und dies gibt, uns neuen Muth und neue Kräfte festzustehcn im Glauben und das Werk des HErrn fortzntreiben. Vor einigen Tagen kam zu uns ein christlicher Debtera aus Agau, welcher sehr hoch geachtet und als Lehrer und Dichter angestellt ist. Er wollte mit uns bekannt werden und sprechen; wir haben denn auch eine gesegnete Stunde mit ihm gehabt. Als er ging, sagte er: „Ich werde von nun an meine Genossen und Schüler die Wahrheit lehren, die ich bei euch gehört habe; und wenn der HErr mir hilft, so werde ich euch bald wieder besuchen, um einige Zeit bei euch zuzubringen". Er ist wirklich sehr gelehrt und kennt die heilige Schrift sehr gut; viele Stellen der Bibel kann er in der äthiopischen Sprache auswendig. Wir haben einen guten Eindruck von ihm bekommen, was bei vielen Anderen, die nur Zank anfangen und unnütze Fragen thun, nicht der Fall ist. Wir hoffen zu Gott, daß dieser Gelehrte nicht ferne vom Reiche Gottes sei. Gewiß werden Sie auch etwas von unseren Schulen hören wollen. Während der Regenzeit hatten wir in unserer Schule 18 bis 20 Knaben, welche regelmäßig Unterricht empfingen. Unser Schul- und Versammlungshaus ist eine rundgebaute Strohhüttc. Links und rechts stehen zwei Sophas, eins für meinen Bruder Sanbatu, und das andere für mich; in der Mitte des Raumes sitzen der Reihe nach auf dem Boden die Kinder, denn wir haben keine Bänke und Stühle, wie in Europa. Jeder nimmt den äthiopischen Psalter zur Hand, legt ihn auf seine Kniee und sängt an zu lesen. Dies dauert eine Stunde lang. Dann fangen sie an amharisch zu lesen in der heiligen Schrift. Hierauf erzähle ich ihnen die biblische Geschichte. Wenn ich anfange die Geschichte zu erzählen, werden sie aufmerksam. Nach Beendigung der biblischen Geschichte nimmt jeder Knabe seine Tafel zum Schreiben vor. Einige unter ihnen können sehr schön schreiben. Am Ende des Unterrichts stehen alle der Reihe nach auf und. singen einstimmig: Die Gnade unsers HErrn Jesu Christi u. s. w. Jeder geht dann in sein Haus und verrichtet sein Geschäft. Unterdessen studire ich die äthiopische Grammatik und lese einige deutsche Lektüre, damit ich die mir lieb gewordene Sprache nicht vergesse. Gegen Abend 8*