Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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96 schüft derselben auf die Dauer gewinnen konnten. Ihr eigener Volksgenosse sagt es ihnen hier, daß sie ei» gemeinsames bürgerliches Zusammengehen und Zusammenleben mit den Anderen völlig unmöglich gemacht haben, und daß gerade ihre religiösen Anschauungen sie hinderten, Verständniß und Herz für das Leben ihrer Umgebung zu gewinnen. In der That, das Bild des Judenthums und seiner Anhänger wird hier gar anders als gewöhnlich von den Meistern in Israel gezeichnet. Diesmal wird von einem unbefangenen Gemüthe, welches auch den Maßstab des Moralischen etwas entschlossener an die Juden anlegt und ihnen kein Privilegium vor dem Sittcngesetze ertheilt, ehrlich zugestanden, daß man nirgends Anlaß zur Selbstverherrlichung habe. Alles: die Lehre von Gott, wie die vom Menschen, das Verhältniß zu Gott und zu den Menschen, habe unter dem Pharisäerthum und Talmudismus die traurigsten Entstellungen erlitten! Und die Folge ist die: die Juden waren also nicht, wie es doch ihre Lehrer sie haben glauben machen wollen, während jener langen Zeit der christlichen Zeitrechnung die Vertreter der religiösen Wahrheit und der Heiligkeit Gottes, und waren ebensowenig die von ihrer Umgebung wegen ihrer Gerechtigkeit verfolgten Märtyrer, sondern sie waren in beider Beziehung voller Schuld und litten, was sie selbst auf sich geladen hatten. Es ist ein ernstes Urtheil, welches dieser Jude über sein Volk ausspricht. — Menschenwerk und Wienscheugedanken, trotziger Eigenwille und Unbußfertigkeit, so hatten der Heiland und seine Apostel das einst genannt, was die große Masse der Juden ihnen entgegenstellte — sie selbst hingegen hatten das alles als die alleinige religiöse Wahrheit und als einen Kampf für Gott ausgegeben. Hier aber kommt ein Jude, der doch dem Christenthum in seinen tiefsten Grundanschauungen fern steht und auch nicht ein Wort zu dessen Gunsten spricht, der am allerwenigsten sein Fürsprecher sein will und sich denn auch um Christum oder sein Evangelium gar nicht kümmert, trotzdem selbst vom rein menschlichen Standpunkt zu dem gleichen Ergebniß wie das Neue Testament. Wir sehen eben, wer nicht von vorn herein an dem Dogma festhält, daß die Juden gegen Jedermann und zu jeder Zeit und in jedem Falle Recht haben müßten, der gelangt vielmehr von jedem Standpunkt aus zu dem Ergebniß, daß ihre gesammte Entwickelung von der