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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 5-6 (1880) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
5-6 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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97 Zeit Christi an eine falsche war. Und in der That ist es wunderbar, mit welcher Einstimmigkeit schließlich jede Anschauung, sie heiße wissenschaftliche oder politische oder gesellschaftliche oder religiöse, zu diesem Resultate führt. Christen, Muhammedaner und Heiden, Freidenker und Gläubige, Gelehrte und Ungelehrte, die allerverschiedensten Systeme des Denkens und der Moral, eine Nation um die andere, ein Zeitalter nach dem andern sprechen über das jüdische System ihre Verurtheilung aus. Sollte das denn nicht zum Nachdenken reizen, und sollte mau nicht unter den Juden dieser Thatsache eine ernstere Ueberlegung schenken? Wir meinen, der Jude Moses Hirschel kann wohl den Anspruch darauf erheben, daß man auch sonst unter den Juden dasselbe thue, was er gethan hat, nämlich, etwas ernstlicher mit sich selbst zu Rathe gehn. Ist aber die Frucht der Prüfung der jüdischen Geschichte von Christo bis 1788 für Hirschel eine solche gewesen, daß sie ihn zu einer völligen Verurtheilung jener führte, dann wage es nun das heutige jüdische Geschlecht, das seitdem verflossene Jahrhundert der Juden gleichfalls zu untersuchen. Es wird alsdann finden, daß die Aufklärung, welche Hirschel als den besseren Ersatz ansah, das freilich auch nicht war, und daß also der Geist des jedesmaligen Jahrhunderts nicht der feste, bleibende Boden unter unseren Füßen sein kann. Die Thatsache aber ist gleichfalls damals offenbar geworden, daß, wo das Judenthum auf sich selbst und seine eigenen Kräfte beschränkt bleibt, mit demselben es immer tiefer bergab geht. Ihre Erlösung vom Talmudismus haben ja z. B. die Juden nur erlangt, und eine neue Periode ihrer Geschichte ist nur dadurch für sie eingetreten, daß sie ihre Hilfe bei den Christen suchten. Aber damals war es nur die weltliche Bildung der Christen, von welcher sie das Heil erwarteten und durch welche sie allerdings aus den Talmudkctten erlöst wurden; eine wahrhaft religiöse Befreiung, welche ihnen ein neues religiöses Leben gebracht hätte, suchten sie dagegen bei den Christen nicht. So verloren und verlieren sie in stets wachsendem Maße, was sie vordem an religiösem Besitz gehabt haben, und tauschen dafür nur allerlei Zeitgüter der Christen ein. Dies wird aber so weiter fortgehen, bis sie die Erfahrung machen, daß ihr tiefster Mangel ja gerade auf dem Gebiete der Religion liegt, und daß sie hier eine Errettung und Erlösung nöthig haben. Dann werden ihnen auch die Augen für das beste,

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