Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554860-2554864--07408-2563422- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
95 bote, welche das Herz unverändert lassen, bestehen? Der Vorwurf, welchen Hirschel der pharisäischen Religion seiner jüdischen Zeitgenossen machte, daß sie keine bessere Gesinnung schaffe und keine Reinigung des Herzens bewirke, dafür aber die Leute äußerlich, heuchlerisch, ehrgeizig und herrschsüchtig mache, ist ja gerade derjenige, welchen Christus und seine Nachfolger gegen dieselbe erhoben haben. Nicht minder aber bekennt dieser jüdische Gelehrte, was wir ebenso im Neuen Testamente wiederfinden, daß die pharisäische Religion die Juden mit Hoffahrt und Verachtung gegen alle anderen Nationen und Volksangehörigen erfüllt habe; daß sie ihre Speise- und Ceremvnialgesetze und den ganzen Zaun aller ihrer Gebote im tiefsten Grunde nur aus dem Hochmuth beibehalten hätten, der es nicht leiden wollte und es als etwas Unerträgliches ansah, daß alle anderen Menschen und Völker fortan in ganz gleicher Weise wie die Juden vor Gott dastehen sollten. Hirschel meint, daß der Grundsatz der allgemeinen Aufklärung die Juden von solcher Trennung hätte abhalten sollen; wir wissen, daß der Messias Gottes, Jesus Christus, den Zaun des Gesetzes Mosis, welcher die Juden von den Andern auch nur in jener Vorbereitungszeit, bis er selbst, der gemeinsame Heiland Aller, gekommen wäre, trennen sollte, ein für alle Male niedergerissen hat. Haben die Juden dagegen gerade seit dieser Zeit den trennenden Zaun bis an den Himmel erhöht, so ist dies nur ein Beweis, wie ungöttlich ihre Religion, wie unheilig der Pharisäismus und der Talmud sind. Und man erschrickt, wenn man noch im Jahre 1788 unter dem Beisalle der gelehrtesten Rabbiner einen derselben lehren hört, daß die Engel die Sprachen der Völker hätten verwirren müssen, damit ihre Worte und Gebete nur ja nicht bis zu den Engeln kommen möchten, und damit die Juden das allein heilige Volk blieben! Was nützen da etliche menschenfreundliche Worte in demselben Talmud, wenn die eigentliche Grundanschauung eine so böse ist! Hirschel hat ganz recht, daß die Juden selbst die Hauptschuld daran tragen, wenn man sie überall, in allen Ländern und Völkern stets anders als die übrigen Menschen beurtheilte; sie überhoben sich über Jedermann und waren deshalb gegen das Wohl und Wehe aller Nationen so rücksichtslos, daß sic nirgends die Freund-