Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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93 sind, darin enthalten sind, welches auch der noch so orthodox gesinnte Jude nicht hinwegleugnen kann und wird. Um nun aber c dennoch — da sonst der aufgeklärte Theil der jüdischen und christlichen Nation so viele lächerliche Ungereimtheiten darin finden würde — dergleichen in einem scheinbar wahren Lichte darzustellen, so erklärt man alle diese vernunftwidrigen, Gott entehrenden und sinnlosen Stellen für Allegorieen, Hyperbeln, Hieroglyphen, kurz für Mystik." „Lange", fährt Hirschel hierauf fort, „nahm ich Anstand, wegen der Achtung, die ich für die Taleme des Herrn Fricdländer habe, das Gemeinschädliche dieser vorgetragenen Apologie zu beleuchten. Da ich aber in Erwägung zog, daß der Menschenfreund dem Wohle des Ganzen Alles aufopfern muß, so glaubte ich es der Wahrheit schuldig zu sein, das Nachtheilige dieser Apologie aufzudecken, sie genau zu analysiren und sie mit der Kritik der reinen Vernunft zu beleuchten, um den schädlichen Eindruck, den sie auf die gar zu Altgläubigen und die Halbaufgeklärten gemacht hat und noch machen könnte, so viel als möglich wiederum zu vernichten." Hierzu führt er nun aus dem Talmud (Traktat Aboda Sara) an, daß Rabbi Jehuda berichtet habe, Rab, einer der bedeutendsten Talmudlehrer aus dem dritten Jahrhundert, habe gesagt: „Der Tag hat zwölf Stunden; in den drei ersten sitzt Gott und studirt im Gesetz; in den andern drei Stunden sitzt er und richtet die ganze Welt; in den dritten drei Stunden sitzt er und ernährt die ganze Welt; in den letzten drei Stunden aber sitzt er und spielt mit dem Leviathan." An diesem Beispiele weist Hirschel denn eingehend nach, wie jene Talmudmeister mit dem Bibelwort umzugehen und dasselbe zu mißhandeln pflegten, bis sie zu derartigen Lehren kamen. Denn allerdings, nachdem sie den Geist der Schrift verloren hatten, spielten sie mit dem Buchstaben derselben, und je Verkehrteres oder Unmöglicheres hierbei herauskam, desto mehr wurde der Scharfsinn derer gepriesen, die solche Ergebnisse an den Tag gefördert hatten. In gerechtem Unwillen fügt Moses Hirschel hinzu: „Das ist einfach Gotteslästerung, eben so unsinnig als Gott entehrend!" Und um so mehr ermahnt er die Seinen, einem Systeme den Rücken zu kehren, in dem auch Friedländer Lehren gefunden hatte, welche entweder zu Schwärmerei