Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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SS dann habe Gott bei Babel die Sprache derselben verwirrt, nnd von da ab könnten sie nicht mehr zu dem himmlischen Heere gelangen, „weil das himmlische Heer nichts weiß und versteht als die hebräische Sprache". So büßten sie nunmehr die Stärkung durch die Himmlischen ein, und damit hörte ihre Macht, die Stadt Babel zu bauen, auf. Auch der Talmud (Sabbath und Sota) sagt, daß sich die Erzengel nicht mit der armenischen Sprache abgäben, viel weniger mit einer anderen; und doch erlaubt er dann an etlichen Stellen wieder, was er soeben verboten hat, nämlich Uebersetzungen aus der hebräischen in eine andere Sprache. Friedländer nun hatte die sehr widerspruchsvolle Stellung, welche der Talmud in der Frage der Uebersetzungen aus dem Hebräischen in eine andere Sprache, und welche er in derselben Weise bezüglich anderer Fragen einnimmt, wohl bemerkt; er hatte auch Wahrheitssinn genug, um einzugestehen, daß es ein vergebliches Bemühen sei, diese Widersprüche zu lösen; aber er hatte, wie so manche Andere aus der Mendelsohn'schen Schule, nicht den Muth, der Wahrheit ganz die Ehre zu geben und sich, auf die Gefahr der Verlästerung durch seine Volksgenossen hin, offen und ehrlich über die wahre Natur ves Talmud auszusprechen. Er glich den Humanisten in der Zeit der Reformation, die sich recht viele Kritik erlaubten und auch nicht wenige Mißbräuche abgeschafft wissen wollten, aber nicht religiöse und sittliche Kraft genug besaßen, um für das hohe Gut der Wahrheit es auch auf einen Bruch ankommen zu lassen. Zu einer Störung in den gewohnten Verhältnissen und zu einer Scheidung aus Liebe zur besseren Ueberzeugung soll es bei derartigen Geistern nicht kommen. Und so erklärte auch Friedländer, nachdem er die Selbstwidersprüche im Talmud aufgedeckt, daß man heute die undurchdringlichen Geheimnisse der Väter nicht mehr zu durchdringen wisse. Das verletzte Hirsche! mit vollem Rechte. Er schrieb darauf seinerseits: „Es ist unzweifelhaft, augenscheinlich und klar, daß, wenn wir den größten Theil der Dogmen des Talmud nach dem gewöhnlichen Verstände nehmen wollen, die abscheulichsten Lehren und Grundsätze, die ärgsten Gotteslästerungen und die allerabgeschmacktesten Märchen und Fabeln, welche von jeher von Pedanten, Charlatanen und Betrügern zur Volkstäuschung erfunden worden