Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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»1 alle körperlichen Strafen, sie mögen Namen haben wie sie wollen, wurden den Juden gänzlich abgenommen und deren Gebrauch völlig untersagt. Der Erfolg hiervon war Denkfreiheit, Geselligkeit, ein Streben nach anderen Kenntnissen als jüdischer Theologie, Exegetik und Polemik, und das Allerseligste die allmählig hereinbrechende und dämmernde Aufllärung, Befreiung von Vorurtheilen und Entfesselung vom System der Fesselschmiede." Zur Kennzeichnung der jüdischen Hierarchie läßt dann aber M. Hirschel einen Aufsatz David Friedländer's zu Berlin (aus dem Jahre 1788), des bekannten Freundes von Mendelsohn, über die Aufnahme, welche die deutsche Uebersetzung der heiligen Schrift des Letzteren und seine eigene deutsche Uebersetzung der jüdischen Gebete gefunden haben, folgen. Der in jenen Tagen viel geltende Rabbi Eliazar Fleckeles in Prag erließ gegen diese deutschen Bücher eine Schrift über die Brandopfer des zweiten Monats, in welcher er es als Sünde verdammte, etwas aus der heiligen hebräischen Sprache in eine andere unheilige zu übersetzen. „Den Schaden des ansteckenden Aussatzes" nannte er ein solches Unternehmen und behauptete, daß auf solchen Wegen die Wahrheit für die Juden verloren gehe. Diese Schrift von Fleckeles nun fand die Billigung der bedeutendsten Rabbiner; mehrere derselben, welche den größten Gemeinden vorstanden, stimmten ihr ausdrücklich zu, und insbesondere auch der Landrabbi von Prag, Ezechiel Landau. Wunderliche Ansichten lebten damals in der Judenschaft und waren zu der Zeit der gemeinsame Glaube ihrer größten Meister; Fleckeles durfte z. B. im Sinne dieser aller behaupten, daß alles in hebräischer Sprache Geschriebene den Menschen vor Feueröbrünsten rette, denn so heilig und so mächtig sei die Sprache Israels; alle anderen Sprachen hingegen Sprachen der Lüge, die eben deshalb auch durchaus von Israel fern und aus ihrer Mitte verbannt bleiben müßten. „Denn Gott hat uns erwählt aus allen Völkern, erhoben über alle Zungen und uns geheiligt mit der heiligen Sprache; jede Zunge, die vor das Gericht kommt, wird verdammt, aber der Wille Gottes wird in unseren Händen gelingen." Früher freilich hätten alle Völker die heilige Sprache gesprochen und in derselben ihre Hilfe gefunden, so daß sie mit ihr auch zu den Engeln gelangten, welche sie nun bei Gott unterstützten. Aber