Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Luther und Matthesius erwähnen dieses Märchen bereits; es gehört durchaus einmal mit zu den besonderen Kränkungen treuer Proselyten, daß man sie um jeden Preis zu Heuchlern stempeln will. Pastor Wöbcken theilt dagegen auch mit, und dies stimmt mit dem Schultzschen Berichte überein: „Von den alten Leuten unserer Gemeinde, die den weiland Pastor Liepmann aus Erzählungen ihrer Eltern kennen, höre ich, daß derselbe in hoher Achtung in der Gemeinde gestanden und die Liebe seiner Psarrkinder besessen hat." Fast 71 Jahre währte seine Wanderschaft, 43 seine Christenlaufbahn, 35 seine geistliche Amtsthätigkeit. Die Gnade hat mit ihm lange gerungen, ehe er sich ihr ergab, aber sie hat doch den Sieg über ihn davongetragen; dann hat sie ihm die Wege gar freundlich geebnet, aber ihn doch immerdar in heiliger Zucht und Erziehung gehalten; denn er hat, um viele seiner Lieben beraubt, immer einsamer dahingehen müssen. Unter den Proben, die ihm bis in's Alter hinein auferlegt wurden, sollte offenbar seine Treue gestählt und die ewige Liebe stets mächtiger in seinem Herzen geweckt werden. Durch das alles aber wird er ein besonders klares Beispiel der Führungen, die gar vielen Proselyten bereitet werden; und auf sein Bild kann daher auch wohl, wenn es nun nach einem vollen Jahrhundert wieder vor unsere Augen tritt, als auf ein lebendiges Missionsbild hingewiesen werden. Ein Mick in das Zudenthum vor hundert Zähren. Ein Blick in jene Anfangszeit des modernen Judenthums, welches mit Moses Mendelsohn begann, zeigt uns, wie schnelle und durchgreifende Veränderungen mit demselben im Laufe eines Jahrhunderts vorgegangen sind. Damals fühlten viele der in das neue Leben eintretenden Juden noch nach Allem, was sie selbst erfahren hatten, den großen Abstand zwischen dem talmudischen und dem neuen Wesen. Sie hatten geistig und leiblich, sie hatten mit ihrem gesammten Dasein unter dem Rabbinismus, dem Pharisäismus, der sich von Christi Tagen an auf ihr Volk gelegt hatte, geseufzt und gelitten, so daß viele derselben hiervon auch ein ganz offenes Bekenntniß ablegten und das nur Joch nannten, was in