Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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85 selbst war weit von dem Gedanken an eine gelehrte Laufbahn entfernt; er hatte bei seinem Uebertritt nicht im Mindesten an eine solche gedacht und sich auch nicht innerlich durch die Hoffnung oder die Aussicht auf eine solche den schweren Schritt erleichtert. Ihm war es allein um den Frieden und die Ruhe seines Herzens zu thun gewesen, die Zukunft hatte er noch wenig in Rechnung gezogen. Rektor Eilers aber ging vorsichtig zu Werke und wußte das Gespräch auch nur so zu lenken, daß bei demselben lediglich zu Tage treten mußte, ob noch bei Liepmann der Sinn und Trieb zur Beschäftigung mit den Wissenschaften vorhanden sei; es zeigte sich aber allerdings, daß dies wohl der Fall sei. Der Rektor ging hierauf einen Schritt weiter; er legte eö dem Neubekchrten jetzt nahe, daß doch das Studium nach seiner ganzen Eigenthiimlichkeit für ihn das Angemessenste gewesen wäre. Liepmann bekannte, daß dies einst gewiß seine Richtigkeit gehabt hätte, er aber Gotte und sich selber zu viele Jahre ein Hinderniß gewesen wäre; hätte er früher den Mahnungen des Geistes Gottes nachgegeben und wäre er sogleich, als ihm die Wahrheit des Christenthums zur Ucberzeugung geworden sei, zu den Christen gegangen, dann hätte sich sein Lebensweg sicherlich anders gestaltet, und er wäre in diesem Falle auch zu einer richtigen Verwerthung seiner Geistcsgaben gelangt. Darauf aber erklärte ihm der Rektor, daß es nach seiner Ansicht mit dem Studium für ihn auch heute noch nicht zu spät sei, und daß er bei anhaltendem Fleiße immer noch im Stande sein würde, das Versäumte nachzuholen; nur müsse er sich dann auch ganz auf die Stufe eines einfachen Schülers stellen. Die Freundlichkeit des Rektors machte aus den Bekehrten Eindruck; er fühlte es demselben wohl ab, daß er es gut und ernst mit ihm meine, und so ging er denn auf den Gedanken desselben gern ein. Das Griechisch und Latein, erklärte er jetzt, werde er wohl noch erlernen können und würde sich keineswegs schämen, auf der Schulbank zu sitzen; wolle man es mit ihm versuchen, so sei er seinerseits auch hierzu bereit. Rektor Eilers sagte hierauf, und dies zugleich im Namen seiner Collegen, daß er ihm den Besuch des Gymnasiums herzlich gern gestatten wolle, er möge nur auch den Prinzen Johann Ludwig durch den Magistrat um die Genehmigung dieses Planes bitten; würde ihm dessen Erlaubniß hierzu gewährt werden, dann