Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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83 begab sich der Geistliche mit dem Täufling aus einen erhöhten Ort und hielt hier die Prüfung ab. Der Täufling hatte bei dieser Gelegenheit nicht, wie es sonst oft zu geschehen pflegte, einen Zettel oder ein Buch zur Hand. Man hatte ihm nur vorher mitgetheilt, über welche Punkte er geprüft werden würde, aber sich auch lediglich hierauf beschränkt. Und die Fragen wurden so gestellt, daß, wie Augenzeugen berichten, selbst Kandidaten der Theologie nicht Schwereres vorgelegt worden wäre. Fast die ganze Glaubenslehre wurde im Zusammenhänge erörtert: die Lehre von der Dreieinigkeit, von dem Stande des Menschen vor und nach dem Falle, von dem geistlichen Sinne des Gesetzes und der Vollkommenheit desselben, von dem Verderben des gefallenen Menschen, der Nothwendigkeit eines göttlichen Messias und der Versöhnung, von der Person des Messias selbst, seinen Ständen und Aemtern, über die Mittel, durch welche dem Menschen die Gnade des Messias dargeboten wird, die Persönlichkeit des heiligen Geistes, das Werk desselben durch Wort und Sakrament, über den Glauben, der die Gerechtigkeit und das Heil des Messias empfängt, und vieles Andere. Der Täufling beantwortete alle an ihn gerichtete Fragen in freier, zusammenhängender Rede und in sichtlicher innerster Betheiligung seines Gemüthes, so daß seine Worte von vielen der anwesenden Christen recht eigentlich als ein mahnendes Zeugniß an ihre eigenen Herzen im Gewissen empfunden wurden. Die von ihm gegebenen Erklärungen selbst waren ungemein zutreffend und geschahen in sehr klarer Darstellung. Dabei belegte er alle seine Behauptungen mit Sprüchen aus dem Alten und Neuen Testamente, dieselben ans dem Kopfe hebräisch und deutsch aufsagend; er zeigte aber jedesmal auch, worin die Beweiskraft der angeführten Stelle beruhe, und fügte hinzu, welchen Nutzen man aus derselben für das Leben und gegen alle Aergernissc und Gottlosigkeit ziehen könne. Die Anwesenden waren sichtbar ergriffen, sie sahen es einmal selbst mit Augen, welch' eine Macht der Glaube über das Herz und den Geist eines Juden gewinnen kann, und alle Zweifel, ob es dieser Mann redlich meine, waren von dem Tage an für die anwesenden Christen verschwunden. Jeder schätzte sich glücklich, der das Bekenntniß selbst mit angehört hatte, aber Viele hatten