Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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82 genöthigt, wo die Flucht von der Judenschaft in den eigenen Reihen derselben beginnt. Ueber Copilia wurden also die übelsten Gerüchte ausgebracht, Schand- und Uebelthaten in großer Zahl von ihm verkündigt, und um die Sache recht gewiß zu machen, auch die Namen der Orte genannt, wo er dies und das gethan haben solle. Dem fürstlichen Konsistorium wurde deshalb der Befehl ertheilt, eine genaue Untersuchung über die Vergangenheit des Mannes anzustellen, und am Meisten drang Copilia selbst darauf, daß dies geschähe. Natürlich verursachte dies aber einen großen Zeitaufwand, und Copilia mußte es deshalb in aller Geduld ertragen, daß der Verdacht gar lange über ihm schwebte, er könne doch vielleicht ein Betrüger sein. Wie er aber ein gutes Gewissen hatte, so drang er auch fort und fort darauf, daß man doch recht bald alle Erkundigungen über ihn einzichen möge, und begab sich selbst an den Hof des Fürsten- Statthalter nach Zerbst, um möglichste Beschleunigung seines Prozesses zu erwirken. Auf Befehl desselben richtete man denn auch bald an alle die Orte, in denen sich Copilia aufgehalten hatte, Erkundigungsschreiben und bekam ausnahmslos auf dieselben die günstigsten Antworten. Zuletzt war das Lügengewebe ganz als ein solches aufgedeckt, und die Sache hatte schließlich nur den Erfolg, daß man ein vollkommenes Vertrauen zu der Lauterkeit des Angeschuldigten gewann. Aber so viel hatten freilich seine Feinde erreicht, daß die Taufe, welche natürlich erst nach einervölligen Erledigung der Anklagen geschehen konnte, 14 Monate hinausgeschobcn wurde. Copilia selbst hielt in dieser Versuchung treulich und wacker aus; hatte er vorher seinen Herrn auf sich warten lassen, so wich er nun auch nicht, da dieser ihn auf sich warten ließ, und er verspürte es wohl, daß ihm diese Erziehung heilsam sei. Endlich war der Tag der Taufe erschienen, der 4. Mai 1736, und Copilia hatte die Zeit bis dahin ernstlich benutzt, um volle Klarheit über alle Fragen des Glaubens zu erlangen, den er jetzt vor der gesammelten Gemeinde bekennen sollte. Die Taufhaudlung selbst vollzog Superintendent Reuter nach einer Predigt über 2. Corinther 3, 14: „Bis auf den heutigen Tag bleibt die Decke Mosis über dem Alten Testamente, wenn sie (die Juden) es lesen, welche in Christo aufhört". Nach geschehener Ansprache