Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1880-01-01 · 5-6 (1880) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
5-6 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554860-2554864--07394-2563408
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

81 kommen jene Verdächtigungen und Lügen, mit denen fast die gesammte Judenschaft sofort bei der Hand ist, wenn auch selbst einer der Aufrichtigsten und Rechtschaffensten in ihrer Mitte sich zu Christo bekennt. Aber eben daß man solche Mittel dann erwählt und daß man insbesondere so gern und leicht hierbei mit Lügen umgeht, beweist es am Deutlichsten, wie schwach man sich im tiefsten Grunde fühlt; denn die Gerechtigkeit bedarf zu ihrer Stütze nicht der Lüge, und wer wirklich ein Bekenner der Wahrheit ist, der haßt jene. Copilia aber hatte eben auch durch seinen Schritt jene Wunde berührt, bei deren Berührung die Synagoge damals stets aufzuckte und noch heute immer aufzuckt, die Wunde, daß aller Selbstrechtfertigung und Selbstverherrlichung zum Trotz nun doch das Judenthum eine Verleugnung der Stimme und Offenbarung Jehovahs, daß es nicht die Religioir der Patriarchen, des Moses und der Propheten, sondern eine selbsterdachte und eine Religion des natürlichen jüdischen Volksgeistes ist, die eben darum nicht wesentlich höher steht als alle anderen Religionen, welche sonst ein Volksgeist aus sich geboren hat. Die alten Namen nur und das heilige Buch hat man beibehalten, aber den alten Gott und den Sinn der heiligen Zeugnisse umgewaudelt, so daß sie hinfort dem stolzen und selbstgerechten Volksgeiste entsprechen müssen, während zugleich der Klang jener Worte, welche schon die Väter gebrauchten, die Täuschung aufrecht erhalten hilft, daß man sich nicht geändert habe. Und je mehr dazu das Judenthum seinen Anhängern predigt, daß es unter allen bestehenden Religionen nicht blos die älteste, sondern auch die recht eigentlich allein wahre Religion, und sein Gottesbegriff der höchste, der allein vollkommen reine sei, desto erklärlicher ist es, daß nirgends die Feindschaft gegen diejenigen, welche ihre Religionsgemeinschaft verlassen, größer ist, als in der jüdischen; denn lediglich in der Ueberzeugung der Ihrigen findet die Synagoge ihre Stütze für die erhabene Stellung, welche sie sich selbst zuschreibt, alle anderen dagegen erklären eine solche als nichtige Einbildung. Fangen aber gar auch die Ihrigen an, die so hoch gehaltene Fahne zu verlassen, dann ist freilich Gefahr vorhanden, daß die ganze Sache dahiusinkt, und da nun einmal durchaus „die Judenschast" das Centrum der wahren Religion sein soll, so steht man sich gewissermaßen zu einem Kampf auf Leben und Tod

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.