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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 5-6 (1880) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
5-6 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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79 Auf dem Schmerzenslager aber drang noch eine andere Stimme an seine Seele und deutete ihm die Unruhe wie die Noth, in welcher er sich jetzt befand. Die Krankheit nahm einen hartnäckigen Charakter an, und im Inneren erhoben sich dazu Anklagen, daß er sich selbst in Versuchung geführt, daß er das Wichtigste, sein Seelenheil, vernachlässigt, daß er seine höchste Pflicht hintenangestellt, daß er die Erfüllung seiner Gelübde hinausgeschoben habe, daß die Todesstunde schnell erscheinen könne, und er dann in der Lüge sterben werde. Das wurde für ihn zu einer Pein, die viel brennender war, als aller leibliche Schmerz, und in diesem Schmelzfeuer wurden die Schlacke» ausgeschmolzen, die ihm bisher angehaftet hatten. Gottes Gnade ließ ihn wieder genesen, und nun war alles Zaudern vergessen. Er erhob sich vom Krankenlager, um auch nicht eine Stunde weiter aufzuschieben, was ihm als seine Pflicht mit erdrückender Last auf's Herz gefallen war. Vor das Gericht des heiligen Gottes während seiner Leidenszeit gestellt, hatte er es gelernt und erfahren, daß es doch viel schlimmer sei, in die Hände des lebendigen Gottes als in Menschenhände zu fallen, und die Furcht vor dem, welcher Leib und Seele in die Hölle verdammen kann, hatte ihn dahin geführt, die Menschenfurcht zu überwinden. Jetzt achtete er es nicht mehr, daß auch in der Vorstadt von Jever mehrere Judenfamilien wohnten, er hatte nunmehr die Fesseln durchbrochen, welche ihn so lange gehalten hatten, so daß er den Weg getrost und muthig ging, den er längst gehen sollte. Die Kraft aber holte er sich da, wo sie wirklich gefunden wird, in brünstigem Gebete und im Gottesworte, der köstliche Davidspsalm 35 zuinal machte ihn stark. Seine Feinde vergaß er nicht, aber, wie dem David in jenem Liede, war ihm sein Gott jetzt viel größer als alle dieselben geworden, und anstatt des früheren Zagens lebte nun auch in seinem Herzen die gute Zuversicht, daß, je mehr Lügen seine Gegner über ihn austragen sollten, desto weniger Kraft dieselben beweisen würden, weil die Richter um so genauere Nachforschung halten und deshalb die Sachlage um so klarer an das Licht bringen würden. So begab er sich zu dem Superintendenten Christian Reuter in Jever und eröffnete demselben sein Vorhaben, sich zum christlichen Glauben zu bekenne». Jener würdige Geistliche forschte

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