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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 5-6 (1880) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
5-6 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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78 Gar oft weiß die Missionsgeschichte von derartigen Fällen zu erzählen. Zarter besaitete Naturen zumal haben oft eine tiefe Empfindung dafür, daß es allerdings wie ein Schwert durch ihre Seele gehn würde, wenn sie nun mit Allem brechen und Alles durchschneidcn müßten, was bisher mit ihrem innersten Leben zusammengehangen hatte. Es ist ihnen zu Muthe, als sollten sie sich selbst die Waffe in die Brust stoßen, und darum schrecken sie immer von Neuem vor dem letzten Schritt zurück; sie sind in Stunden ganz fest entschlossen, sie haben oft eine ganz durchdringende Erkenntniß der Wahrheit, sie erheben sich und betreten mit warmem, hohem Muthe die Bahn, welche sie als die Bahn der Wahrheit erkennen, aber dann bleiben sie plötzlich stehen; es überkommt sie ein angstvolles Gefühl ihres großen Wagnisses, und, ohne zurückzuwollen, gehn sie doch auch nicht weiter vor — sie bleiben, wie sestgebannt, an einer Stelle stehn, bis ihr Fleischeszagen, wenn sie wirklich aus der Wahrheit sind, ihnen selbst zum Gerichte wird, — und sie nun durchbrechen zur befreienden, erlösenden That. Aehnliches scheint damals in Copilia's Seele vorgegangen zu sein. Auf der Reise begriffen, mäßigte sich wieder seine Eile, und obwohl er keineswegs seinen Plan, nach Schweden zu gehen, aufgab, glaubte er doch durch nicht näher bezeichnete Umstände seiner Wanderschaft veranlaßt zu sein, Ost - Friesland aufzusuchen und sich dort in Emden und Aurich eine Zeitlang aufzuhalten. Cleve hatte er verlassen, um gewissermaßen den Juden zu entfliehn, aber in Emden trat er wieder mit ihnen in Verkehr. Doch die göttliche Weisheit sorgte dafür, daß der Stachel, der in seiner Seele haftete, wieder zu stechen anftng, und daß er sich von demselben weitergetrieben fühlen mußte. Er hatte sich mit einem Emdener Juden in ein Geschäft eingelassen und ihm war hierbei übel mitgespielt worden. So wollte er nun sein Recht erlangen und leitete also einen Proceß ein. Die Sache sollte in Jever vor der dortigen Regierung entschieden werden, und Copilia begab sich also dorthin, um seine Sache selbst vor der Obrigkeit zu führen. Der Gegner aber wußte den Rechtshandel lange hinzuziehen, und so blieb Copilia denn auch an die Stadt Jever gebannt. Als er nun dort schon eine Zeit wartete, wurde er krank, und auf's Neue sah er dadurch seinen Lebensweg verdunkelt.

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