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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 5-6 (1880) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
5-6 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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77 getrieben wird, und wie sich dieser niemals mit einem so armseligen Stückwerke abfinden lassen kann. Die Größe der Forderungen Gottes trat ihm lebhaft vor die Seele, und er wollte deshalb auch ferner nicht mehr vor das heilige Angesicht des Herrn mit jener Gerechtigkeit treten, mit welcher der jüdische Glaube den sündlichen Menschen ihm begegnen lehrt. Der Entschluß Copilia's war nunmehr gefaßt: der Synagoge den Rücken zu wenden und das Christenthum anzunehmen. Doch machte sich zugleich auch noch immer das natürliche Bangen und Zagen des Herzens bei ihm geltend, so daß er wenigstens nicht in Cleve den entscheidenden Schritt thun wollte; denn in dieser Stadt wohnten viele Juden, und deren Verfolgungen hatte er allerdings zu erwarten. Dazu kam noch ein anderer Umstand. Die Grundlehren des Christenthums hatten wohl seine innere Zustimmung gefunden, nicht so hingegen die reformirte Lehre von der Gnadenwahl, welche einen Theil der Menschen im Voraus zur Seligkeit, einen anderen zur Unseligkeit bestimmt sein läßt. Ihm schien vielmehr die Lehre von der allgemeinen Gnade Gottes, welche die Seligkeit Aller durch Christum suche, sowohl dem göttlichen Wesen, als der gleichmäßigen Herzcnsverderbniß aller Sterblichen und auch dem natürlichen Verständnisse angemessener; ebenso aber hatte er sich nach seinem Studium in Altem und Neuem Testamente nicht davon überzeugen können, daß jene Lehre wirklich wesentlich zum Christenthum gehöre. Und dies alles bestärkte ihn in dem Entschlüsse, seinen Uebertritt an einem anderen Orte zu vollziehen. Er hatte viel von Schweden gehört, wo es keine Juden gäbe, Nachstellungen derselben also nicht zu fürchten seien, und die Kirche die ihm anstößige oder bedenkliche Ueberzeugung von der Gnadenwahl oder Prädestination nicht habe. Schweden schien ihm also in aller Beziehung der rechte Ort für die Ausführung seines Vorhabens zu sein. So begab er sich nun auf die Reise. Einmal zur Klarheit und zum Entschlüsse darüber gelangt, was er zu thun habe, fühlte er sich jetzt innerlich beruhigter. Aber indem er so die alte Qual nicht mehr in gleicher Stärke empfand, erlahmte auch die innere Spannkraft in etwas. Er hatte bei sich selbst seine Entscheidung getroffen, und das war ja ein Neues in seinem Leben, aber nun kam er i» die Gefahr, sich hieran für's Erste genügen zu lassen.

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